{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-2_scene11/p002","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dasselbe Meditationszimmer wie im zweiten Bilde. Maria, \nAhriman. \nAHRIMAN: \nBenedictus hat die Gedankenfäden \nMit List gesponnen, denen du gefolgt. \nSie haben dich in Irrtum wohl verstrickt. \nThomasius und auch Capesius, \nSie sind desselben Wahngesichtes Opfer. \nZugleich mit deinem fielen ihre Blicke \nAuf langvergangner Erdentage Leben. \nIhr sucht seither in jener Zeit das Dasein, \nDas eurer Gegenwart vorangegangen. \nIhr werdet Irrtum nur aus Irrtum zeugen, \nWenn ihr euch wollt dadurch bestimmen lassen, \nDem Erdenpfade Pflichten vorzuzeichnen, \nDie eures Wahneswissens Folge sind. \nDaß Benedictus nur aus deinem Hirn \nDie Bilder nahm und sie in frühe Zeiten setzte: \nDies kannst du klar aus eignem Wissen finden. \nDu sahst die Menschen deiner eignen Tage \nVerschieden kaum von jenen alter Zeit. \nDu sähest Mann als Mann und Frau als Frau, \nUnd auch die Eigenschaften waren ähnlich. \nEs kann dir so kein Zweifel mehr bestehn, \nDaß du nicht Wahrheit, sondern nur den Wahn \nDer eignen Seele mit dem Geistesauge \nIn graue Vorzeit dir zurückverlegtest. \nMARIA: \nIch schaue dich als aller Täuschung Vater, \nDoch weiß ich auch, daß du oft Wahrheit sprichst. \nUnd wer verwerfen wollte jeden Rat, \nDen er durch deine Worte kann erhalten, \nDer müßte schwersten Irrtums Opfer werden. \nWie Wahn der Wahrheit Maske sich bedient, \nUm Menschenseelen sicher einzufangen, \nSo kann der Mensch sich leicht dem Trug ergeben, \nWenn er nur stets an allen Irrtumsquellen \nIn feiger Furcht vorbei sich schleichen wollte. \nNicht Wahn allein verdanket dir die Seele: \nAuch jene Macht entstammt dem Geist des Truges, \nDie Menschen sichre Urteilskraft verleiht. \nDrum will ich mich dir frei entgegenstellen. \nErgriffen hast du mich an jenem Seelenteil, \nDer wachsam stets sich selbst bewahren muß. \nErwäg' ich alle Gründe, welche du \nMir eben klug berechnend vorgehalten, \nSo scheint nur eignen Hirnes Bildgestalt \nIn frühe Erdentage hinversetzt. \nDoch frag' ich dich, ob deiner Weisheit sich \nFür alle Erdenzeiten Pforten öffnen? \nAHRIMAN: \nIn keinem Geistesreiche leben Wesen, \nDie sich mir feindlich dann entgegenstellen, \nWenn ich in Erdenzeiten Einlaß brauche. \nMARIA: \nDie hohen Schicksalsmächte haben weise \nIn dir den Widersacher sich bestellt; \nDu förderst alles, das du hemmen willst. \nDu bringst den Menschenseelen Freiheitsmacht, \nWenn du in ihre Seelengründe dringst. \nVon dir entspringen die Gedankenkräfte, \nDie Ursprung zwar der Wissens-Truggebilde,","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Prüfung der Seele — Elftes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":361,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene11/p002","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene11/p002"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-2_scene11/p002","paragraph_aligned":true}]}