{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-2_scene13/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"(Es treten ein: Benedictus, Theodosius und Romanus.) \nBENEDICTUS: \nBerufen hab' ich euch, die ihr Gefährten \nMir seid im Suchen nach dem Geisteslicht, \nDas zu den Menschenseelen strömen soll. \nIhr kennt der Seelensonne Wesenheit: \nSie leuchtet oft in vollster Mittagshelle \nUnd dringt in andern Zeiten dämmernd nur \nIn Seelentraumesnebel kraftlos ein. \nUnd oft muß sie den Finsternissen weichen. \nDes Tempeldieners Geistesblick muß dringen \nIn Seelentiefen, welchen kraftvoll strahlet \nDas Geisteslicht aus Weltenhöhenorten. \nEr muß jedoch auch dunkle Ziele finden, \nDie unbewußt in Seelenfinsternissen \nDes Menschen Werdekräfte lenken wollen. \nDie Geisteswesen, die der Menschenseele \nAus Weltenmächten Geistesnahrung spenden, \nSie sind im Weihetempel jetzt erschienen, \nZu lenken eines Mannes Seelenziel \nAus Geistesnacht ins Reich des Höhenlichts. \nEr ist vom Wissensschlafe noch umfangen; \nDoch schon erklangen ihm die Geistesrufe \nIn unbewußten Wesensuntergründen. \nWas sie in seiner Seele Tiefen sprachen, \nWird bald zum Geistgehör auch dringen können. \nTHEODOSIUS: \nEs konnte diese Seele sich bisher \nIm Geisteslichte noch nicht wiederfinden, \nDas durch die Sinnesoffenbarung strahlet \nUnd alles Erdenwerdens Sinn enthüllt. \nSie sah den Gottesgeist naturentblößt \nUnd gottentfremdet, was natürlich ist. \nSo mußte sie durch viele Erdenleben \nSich fremd dem Sinn des Daseins gegenüberstellen \nUnd konnte stets nur solche Leibeshüllen \nZum Werkzeug ihres Eigenwesens finden, \nDie sie von Welt und Menschenwesen trennten. \nSie wird im Tempel sich die Kraft erwerben, \nDas fremde Sein als eignes zu empfinden, \nUnd so sich auch die Macht gewinnen können, \nDie aus Gedankenlabyrinthen führt \nUnd nach den Lebensquellen Wege weist. \nBENEDICTUS: \nEin andrer Mann erstrebt des Tempels Licht; \nEr wird erst künftig unsren Pforten nahen \nUnd diesen Weiheort betreten wollen. \nEr hat gepflanzt in ernstem Forscherleben \nDes Denkens Keime in die Seelengründe. \nSo mußte sie das Geisteslicht erreichen \nUnd außerhalb des Tempels reifen lassen. \nEr konnte schauen, wie sein Erdendasein \nAls Folge eines andern sich erweist, \nDas er in langvergangner Zeit erlebt. \nEr ist sich nun der Fehler jenes Lebens \nUnd ihrer Wirkung vollbewußt geworden. \nIhm fehlt die Kraft, die Pflichten zu erfüllen, \nDie er durch Selbsterkenntnis fühlen kann. \nROMANUS: \nCapesius soll durch des Tempels Kraft \nErkennen, wie in Einem Erdenleben \nDer Mensch mit Pflichten sich beladen muß, \nDie erst durch viele Lebenspilgerfahrten \nIn vollem Maße sich erfüllen lassen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Prüfung der Seele — Dreizehntes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":357,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene13/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene13/p003"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-2_scene13/p003"}]}