Der Hüter der Schwelle — Sechstes Bild

GA 14/ga014-3_scene06/p003 · original (original)

Wo er im Weltgeschehn die Schrift erreget, Die weltbedeutend sich der Seele gibt. Ich will das Innre mir vom Erdensein, Verdichtend meine Seelenkräfte, lösen Und so erwarten, was, sich offenbarend, Mir durch die Geistesweiten zeigen will. Es wird, wenn ich zum Erdensein mich wende, Gedanke sein, der mir im Nach-Erdenken Im Seelen-Innern als Erkenntnis leuchtet. BENEDICTUS (erscheint aus dem Hintergrunde): Gewinne dich in Weltgedankenkraft, Verliere dich durch Weltenkräfteleben; Du findest Erdenziele, spiegelnd sich Durch deine Wesenheit im Weltenlicht. CAPESIUS: Auch Benedictus selber hier im Geiste! Und seine Worte klingen nicht allein? So trägt der Geisteslehrer Erdenwissen Zu Geistesorten wirksam lebend hin? Und was bedeuten diese Worte hier, Die er im Erdenleben anders wendet? BENEDICTUS: Capesius, du bist in meine Kreise In deinen Erdenzeiten eingetreten, Obgleich du wissend nie mein Schüler warst. CAPESIUS: Capesius ist nicht an diesem Orte; Und seine Seele will von ihm nicht hören. BENEDICTUS: Du willst nicht in Capesius dich fühlen, Doch sollst du ihn erinnernd geistig schauen. Dir hat des Denkens starke Wirkenskraft Im Seelenleib das Geistessein erschlossen. Es löste dann dein Seelenleben sich Von Denkenstraumesspiel im Erdenleibe. Zu schwach erfühlt' es sich, mit ihm zu wandeln Aus Weltenfernen in die Seelentiefen; Zu stark, mit ihm das Geisteshöhenlicht Durch Erdenfinsternisse nur zu schauen. Ich muß begleiten jeden, der von mir Im Erdensein das Geisteslicht empfangen, Ob er sich wissend, ob nur unbewußt Sich mir als Geistesschüler hat ergeben, Und muß die Wege weiter ihn geleiten, Die er durch mich im Geist betreten hat. Du hast gelernt durch Seelenschau dem Geiste In Weltenweiten dich erkennend nahen, Weil du vom Leib gelöst ihm folgen kannst. Doch du erschaust noch nicht gedankenfrei Im Geistgebiet die wahre Wesenheit. Den Sinnesleib vermagst du abzulegen, Doch nicht des Denkens feines Leibgewebe. Du kannst die Welt erst wahrhaft wirklich schauen, Wenn nichts, das dir von Eigenheit geblieben, Des Schauens Klarheit wirksam trüben kann. Nur wer das eigne Denken außer sich Zu schauen hat gelernt, wie Seherkräfte Den Erdenleib von sich gelöst erschauen, Der dringt in Geisteswirklichkeiten ein. So schau im Bilde, daß das Bild sich dir Zum Wissen durch die Seherkräfte wandle, Gedanken, die sich räumlich wesenhaft Zu Formen bilden, Menschendenken spiegelnd. (Eine freundlich gedämpfte Beleuchtung tritt ein, es erscheinen Philia, Astrid, Luna in glimmender Wolke. Benedictus, Capesius, Maria gehen ab.) STIMME (zusammenklingend von Philia, Astrid, Luna gesprochen): Es schweben Gedanken Wie webendes Träumen Sich wesenhaft bildend An Seelen heran; Sich schaffender Wille, Sich regendes Fühlen, Sich wirkendes Denken Erstehe dem Träumer. (Während dies erklingt, kommt Lucifer von der einen, Ahriman von der anderen Seite. Sie suchen ihre Orte zu beiden Seiten des Raumes auf.) LUCIFER (mit breitem Tone jedes Wort hervorhebend): In deinem Willen wirken Weltenwesen. (Von der Seite des Lucifer bewegen sich Wesen heran, welche Gedanken darstellen. In tanzartiger Weise führen diese Bewegungen aus, welche Gedankenformen, den Worten Lucifers entsprechend, darstellen.) AHRIMAN (auch breit sprechend, doch rauh): Die Weltenwesen, sie verwirren dich. (Nach diesen Worten bewegen sich von Ahrimans Seite die Gedankenwesen und fuhren Tanzbewegungen, seinen Worten als Formen entsprechend, aus. Nach diesen werden die Bewegungen von beiden Gruppen zusammen ausgeführt.) LUCIFER: In deinem Fühlen weben Weltenkräfte. (Es wiederholen nun die Gedankenwesen auf Lucifers Seite ihre Bewegungen.) AHRIMAN: Die Weltenkräfte, sie verführen dich. (Es wiederholen die Gedankenwesen auf Ahrimans Seite ihre Bewegungen, dann wieder beide zusammen.) LUCIFER: In deinem Denken leben Weltgedanken. (Wiederholung der Bewegungen durch Lucifers Gruppe.) AHRIMAN: Die Weltgedanken, sie beirren dich. (Wiederholung der Bewegung durch Ahrimans Gruppe. Dann viermalige Wiederholung der Bewegungen jeder Gruppe einzeln und dreimalige des Zusammenwirkens.) (Die Gedankenwesen verschwinden links und rechts, Lucifer und Ahriman bleiben; es treten Philia, Luna, Astrid wieder aus dem Hintergrunde vor und sprechen die Worte, die sie vorher gesprochen, mit folgender Abänderung.) STIMME (zusammenklingend, von Philia, Astrid und Luna gesprochen): Es schwebten Gedanken Wie webendes Träumen Sich wesenhaft bildend An Seelen heran; Sich schaffender Wille, Sich regendes Fühlen, Sich wirkendes Denken Erstanden dem Träumer. (Philia, Astrid, Luna verschwinden; es kommt Capesius, und, nachdem er einige Worte gesprochen, tritt Maria hinzu, die ihm zuerst unsichtbar ist.) CAPESIUS: Die Seele, sie erlebt sich innerlich;

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