{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-3_scene06/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie glaubt zu denken, weil sie nicht Gedanken \nIm Räume vor sich hingestellt erschaut. \nZu fühlen glaubt sie, weil Gefühle nicht \nWie Blitze aus den Wolken zuckend leuchten; \nSie sieht des Raumes Reiche und erblickt \nDie Wolken über sich ... Und wenn dies nicht \nSich so verhielte: wenn die Blitze zuckten, \nUnd nicht ein Auge sich nach oben lenkte ... \nSie müßte glauben, daß in ihr der Blitz. \nSie sieht nicht Lucifer, aus dem Gedanken \nEntsprießen und Gefühle sich ergießen -\nSo kann sie sich allein mit ihnen glauben. \nWeshalb ergibt sie solchem Wahne sich? \nO Seele, gib dir Antwort ... doch ... woher? \nAus dir? O tu es nicht ... vielleicht ist auch \nDie Antwort ... nicht von dir ... von Lucifer... \nMARIA: \nUnd wenn sie's wäre: deshalb suchst du nicht? \nSo steige in die Tiefen, sie zu finden ... \nCAPESIUS: \nEin Wesen hier, das Seelen hören kann? \nMARIA: \nEs sind die Seelen hier doch nicht getrennt. \nDas sind sie nur, wenn sie den Leib gebrauchen. \nHier hört sich jede selbst im Wort der andern. \nDrum sagst du dir nur selbst, wenn ich dir sage: \nDaß du in Tiefen Antwort suchen sollst. \nCAPESIUS: \nO in den Tiefen ... droht die finstre ... Furcht. \nMARIA: \nJa, wahrlich, sie ist da; doch frage dich, \nDa du hinab dich zwangest in ihr Reich, \nOb sie nicht deutlich sich dir offenbart. \nVon Lucifer, vor dem du stehst, erfrage, \nOb er dir Furcht in deine Schwäche gießt. \nLUCIFER: \nDie Wesen, die mich fliehen, lieben mich. \nEs liebten mich die Erdenkinder stets, \nNur glauben sie, daß sie mich hassen sollen. \nDoch suchen sie in meinen Taten mich. \nIn kalter Wahrheit Formen müßten sie \nHinschmachten durch das lange Erdenwerden, \nWenn ich in ihre Seelen ihnen nicht \nDie Schönheit senkte als des Daseins Zierde. \nIn Künstlerseelen flöße ich die Kräfte. \nWas jemals Menschen als ein Schönes schauen, \nIn seinem Urbild ist's in meinem Reich. \nNun frage dich, ob du mich fürchten sollst. \nMARIA: \nIn Lucifers Gebieten wäre Furcht \nAn ihrer rechten Stelle wahrlich nicht. \nEr muß als Gaben Wünsche vor sich her, \nUnd nicht die Furcht, in Menschenseelen senden. \nSie stammt fürwahr aus andrem Machtbereich. \nAHRIMAN: \nIch war den Göttern ebenbürtig einst. \nSie mußten mir die alten Rechte kürzen. \nIch wollte meinem Bruder Lucifer \nFür seine Reiche so die Menschen bilden, \nDaß jeder seine Welt in sich nur trüge.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Hüter der Schwelle — Sechstes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":392,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-3_scene06/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-3_scene06/p004"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-3_scene06/p004","paragraph_aligned":true}]}