{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-3_scene06/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Da Lucifer als Gleicher unter Gleichen \nIm Geistesreiche nur sich geben wollte \nUnd Vorbild nur für andre, niemals aber \nEin Herrscher über Wesen konnte sein, \nSo wollte ich dem Menschen Stärke geben, \nDaß er dem Lucifer sich gleich bezeuge. \nUnd war' ich in dem Götterreich geblieben, \nEs war' dies auch im Urbeginn geschehn. \nDoch wollten Götter Herrscher sein auf Erden, \nSo mußten sie aus ihrem Reiche einst \nIn Abgrundtiefen meine Kraft verbannen, \nDaß ich die Menschen nicht zu stark erkrafte. \nUnd so vermag ich nur von diesem Orte \nZur Erde hin die starke Kraft zu senden. \nSie wird auf diesem Wege aber - Furcht. \n(Bei Ahrimans letzten Worten erscheint Benedictus.) \nCAPESIUS: \nWer das gehört, was hier die beiden Mächte \nVon ihren Orten durch die Welten sprachen, \nDer weiß dadurch die Furcht und auch den Haß \nIn ihren eignen Reichen aufzusuchen. \nBENEDICTUS: \nIn Weltenworten sollst du dich erkennen, \nErfühlen dich in Weltgedankenkraft. \nUnd da du außer dir jetzt schauen konntest, \nWas du als deine Eigenheit dir träumtest, \nSo finde dich und schaudre künftig nicht \nBeim Worte, welches dir gerecht erklingt \nUnd dir das eigne Sein bezeugen soll. \nCAPESIUS: \nSo darf ich künftig wieder mir gehören. \nIch werde mich jetzt suchen, weil ich mich \nIm Weltendenken schauend leben darf. \nBENEDICTUS: \nUnd binde dir, was du gewonnen jetzt, \nAn alt Erworbenes auch, zum Weltbesitz. \n(Im Hintergrunde an Benedictus' Seite erscheint Frau Bälde \nin ihrer gewöhnlichen Kleidung.) \nFRAU BÄLDE (im sinnigen Märchenton): \nEs war einmal ein helles Götterkind. \nDas war den Wesen wahlverwandt, die Weisheit \nIm Geistesreiche sinnvoll weben dürfen. \nDas Wesen wuchs, gepflegt vom Wahrheitvater, \nIn seiner Welt zur Urgewalt heran. \nUnd als es fühlte den gereiften Willen \nIn seinem Lichtesleib sich schaffend regen, \nDa blickt es oft voll Mitgefühl zur Erde, \nWo Menschenseelen sich nach Wahrheit sehnten. \nEs sagt' das Wesen dann zum Wahrheitvater: \n«Es dürsten Menschen nach dem Trank, den du \nAus deinen Quellen ihnen reichen kannst.» \nMit ernster Würde sprach der Wahrheitvater: \n«Die Quellen, welche ich behüten muß, \nSie lassen Licht aus Geistessonnen strömen; \nUnd trinken dürfen Licht nur solche Wesen, \nDie nicht nach Luft zum Atmen dürsten müssen. \nDrum hab' ich mir am Licht das Kind erzogen, \nDas Mitleid mit den Erdenseelen fühlen \nUnd Licht in Atemwesen zeugen kann. \nSo wandle du zu Menschen hin und bringe \nDas Licht aus ihren Seelen meinem Licht \nVertrauensvoll und geistbelebt entgegen.» \nDa wandte sich das helle Lichteswesen","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Hüter der Schwelle — Sechstes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":395,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-3_scene06/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-3_scene06/p005"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-3_scene06/p005","paragraph_aligned":true}]}