{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-4_scene10/p002","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dasselbe Zimmer wie im neunten Bilde. Zuerst Johannes allein, \nmeditierend. Später erscheinen die «andre Philia», Maria, der \nGeist von Johannes' Jugend, Lucifer, Benedictus. \nJOHANNES: \n«Dies ist die Zeit, in welcher er sein Sein \nDem uralt heiligen Weisheitsdienste weiht -; \nVielleicht läßt Traumes Offenbarung mich \nIm Ahnen geistig jetzt bei ihm verweilen.» \nSo sprach in alter Zeit in Tempelnähe \nDie Frau, die ich im Geistesbilde schaue, \nUnd ihrer denkend, fühl' ich mich erkraftet. \nWas wirkt mir dieses Bild? Was hält an ihm \nIm Schauen mich wie festgebannt? Fürwahr, \nNicht Anteil ist's, der aus dem Bilde selbst \nSich mir erzwingt; denn trat' es mir als Bild \nIm Sinnensein vors Auge, schien' es mir \nNicht inhaltvoll. Was spricht aus ihm zu mir? \n(Wie von ferne die Stimme der «andren Philia».) \nDIE ANDRE PHILIA: \nVerzaubertes Weben \nDes eigenen Wesens. \nJOHANNES: \nUnd wachendes Träumen \nEnthüllet den Seelen \nVerzaubertes Weben \nDes eigenen Wesens, \n(Während Johannes diese Zeilen spricht, kommt die «andre \nPhilia» an ihn heran.) \nJOHANNES: \nWer bist du, rätselvoller Zaubergeist? \nDu brachtest wahren Rat in meine Seele -\nUnd täuschtest' mich zugleich doch über dich, \nDIE ANDRE PHILIA: \nJohannes, deines Wesens Zwiegestalt, \nDu schufest sie aus dir. Als Schatten dich \nUmwandeln, muß auch ich so lange noch, \nBis du den Schatten selbst erlösen wirst, \nDem deine Schuld verzaubert' Leben schafft. \nJOHANNES: \nZum dritten Male - sprichst du dieses Wort; \nIch will ihm folgen. - Weise mir den Weg. \nDIE ANDRE PHILIA: \nJohannes, such' im Geisteslichte lebend, \nWas dir in deinem Selbst erhalten ist. \nEs wird dir Licht von seinem Lichte geben. \nDu wirst in dir dann selbst erschauen können, \nWie du die Schuld im fernem Leben tilgst. \nJOHANNES: \nWie such' ich denn im Geisteslichte lebend, \nWas mir in meinem Selbst erhalten ist? \nDIE ANDRE PHILIA: \nGib mir, was du dir denkend selber bist; \nVerliere dich nur kurze Zeit in mir; \nDoch so, daß du dir nicht ein andrer wirst. \nJOHANNES: \nWie soll ich dir mich geben, ohne dich \nIn deinem wahren Wesen erst zu schauen?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Seelen Erwachen — Zehntes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":330,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-4_scene10/p002","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-4_scene10/p002"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-4_scene10/p002"}]}