Das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt I

GA 140/1912-11-26/p006 ·1912-11-26 · original (original)
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Sehen Sie, diese beiden Dinge, die dem Schüler der okkulten Wissenschaft sehr bald entgegentreten, wenn er nur ein wenig Fortschritte macht, sie treten sofort auf in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nehmen wir nur einmal den Fall, daß wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bald nach unserem Tode, mit menschlichen Wesenheiten zusammentreffen, die vielleicht vor uns hier in der physischen Welt gestorben sind. Wir treffen mit ihnen zusammen; wir können das ganze Verhältnis empfinden, das wir zu ihnen hier in der physischen Welt gehabt haben. Wir sind sozusagen mit einem vor uns oder jetzt oder nach uns Hingestorbenen zusammen und empfinden: Genau so standest du im Leben zu diesem Menschen, so war dein Verhältnis zu ihm. Während wir aber in der physischen Welt, wenn wir zum Beispiel darauf kommen, daß wir einem Menschen Unrecht getan haben in unseren Gefühlen oder Taten, imstande sind, irgend etwas dazu zu tun, um die Sache auszugleichen, sind wir das in dem Leben nach dem Tode durchaus nicht unmittelbar. Wir sehen klar ein: So steht es mit unserem Verhältnis, aber wir sehen, daß es unmöglich ist, innerhalb dieser übersinnlichen Welt irgend etwas auch aus der tiefsten Einsicht, daß es anders sein sollte, zu ändern. Es muß zunächst so bleiben, wie es ist. Das ist das Drückende manches Vorwurfes, daß man klar durchschaut, wie das Verhältnis nicht hätte sein sollen, aber daß man es so lassen muß, während man immer die Empfindung hat, es sollte anders sein. Und das wird zu übertragen sein auf das gesamte Leben nach dem Tode. Die Dinge, von denen wir wissen, sie sind von uns nicht richtig gemacht im Leben, wir sehen sie um so tiefer ein nach dem Tode; aber wir müssen sie so lassen, wie sie sind, müssen sie so weiterleben, wie sie sind. Wir sehen gleichsam zurück auf das, was wir getan haben, aber wir müssen vollständig die Konsequenz dessen ausleben, was wir getan haben, und haben das deutliche Erlebnis, daß wir nichts daran ändern können.

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Cite: GA 140/1912-11-26/p006 · edition original