Das Leben Zwischen Dem Tode Und Einer Neuen Geburt I
Die nächste Sphäre nun, die der Mensch zu betreten hat, ist die Sonnensphäre. Und wir kommen in der Tat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dazu, uns eine gewisse Zeit hindurch als Sonnenbewohner zu fühlen, das heißt zu wissen: Wir sind mit der Sonne verbunden. Wir lernen in dieser Zeit durchaus das Wesen der Sonne kennen, das ganz anders ist, als die physische Astronomie es heute beschreibt. Und wiederum handelt es sich darum, daß wir in die Sonnensphäre uns einzuleben vermögen in der richtigen Art. In der Sonnensphäre tritt nun namentlich eines uns entgegen: da tritt das starke Bedürfnis in der Seele auf wie durch eine elementare Kraft, dass alle Sonderheiten zwischen den Menschenseelen aufhören müssen. Während wir in der Merkursphäre mehr oder weniger eingereiht sind in den Kreis, zu dem wir auf der Erde Beziehung gehabt haben, während wir in der Venus-Sphäre heimisch sind durch ein religiöses Leben innerhalb der Kreise, die mit uns religiös gleich empfunden haben auf der Erde, und wir uns noch in gewisser Weise befriedigt fühlen können bloß in diesen Gemeinschaften, fühlt die Seele tiefe Einsamkeit auf der Sonne, wenn sie sich verurteilt fühlt, kein Verständnis zu haben für alle Seelen, die von der Erde zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in diese Sonnensphäre versetzt werden. Nun war es für die alten Zeiten der Menschheitsevolution so, daß ja tatsächlich die Seelen während der Venus-Sphäre sozusagen in den einzelnen Religionsprovinzen befindlich waren, dort ihr Verständnis fanden und gaben und daß, weil alle Religionen aus einem gemeinsamen Quell sind, der Mensch, wenn er in die Sonnensphäre übertrat, gleichsam von dem alten gemeinsamen Erbstück aller Religionsbekenntnisse so viel hatte, daß ihm die Möglichkeit gegeben war, in der Sonnensphäre an alle anderen Seelen heranzutreten und mit ihnen zusammen zu sein, sie zu verstehen, mit ihnen Gemeinsamkeit zu pflegen, mit ihnen geselligen Geistes sein zu können.
Cite:
GA 140/1912-11-26/p012 · edition original