{"corpus":"steiner","locus":"GA 140/1912-11-26/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es könnte vieles angeführt werden für das Universelle des wirklich verstandenen Christus-Mysteriums. Wir haben ja schon vieles angeführt im Laufe der Jahre; man kann aber dieses Christus-Mysterium immer wieder und wiederum von neuen Seiten beleuchten. Wenn gesagt wird, daß durch eine besondere Hervorhebung des Christus-Mysteriums etwa Vorurteile gegenüber den anderen Religionsbekenntnissen hervorgerufen würden — das ist ja oftmals gesagt worden, daß zum Beispiel in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung hier in Mitteleuropa das Christus-Mysterium besonders betont würde und dadurch gleichsam die andern Religionsbekenntnisse nicht gleich behandelt würden —, wäre ein solcher Vorwurf das Unverständlichste, was gemacht werden kann; denn dieses Christus-Mysterium ist seiner eigentlichen Bedeutung nach eben sozusagen erst in den neuen Zeiten okkult entdeckt worden. Und wenn etwa der Buddha-Bekenner sagen wollte: Du stellst das Christentum über das Buddha-Bekenntnis, weil du den Christus als irgend etwas Besonderes hinstellst, das steht noch nicht in meinen heiligen Büchern, also benachteiligst du den Buddhismus — so ist das nicht verständiger, als wenn der Buddhist verlangen wollte, man solle auch nicht die kopernikanische Weltanschauung annehmen, weil die auch nicht in seinen heiligen Büchern steht. Es hat nichts zu tun mit der Gleichberechtigung der Religionen, daß Dinge, die später gefunden worden sind, anerkannt werden. Das Mysterium von Golgatha ist so, daß es kein besonderes Privileg eines christlichen Bekenntnisses ist, sondern es ist eine geisteswissenschaftliche Wahrheit, die geradeso wie das kopernikanische Weltensystem von jedem religiösen System anerkannt werden kann, und es handelt sich wahrhaftig nicht um die Geltendmachung eines Religionsbekenntnisses, das das Mysterium von Golgatha recht schlecht bisher verstanden hat, sondern um die geisteswissenschaftliche Tatsache des Mysteriums von Golgatha. Ist dieses aber schon recht unverständig, so ist noch unverständiger, davon zu sprechen, daß man nun alle Religionsbekenntnisse abstrakt vergleichen und eine Art abstrakter Gleichheit des Wesens aller Religionsbekenntnisse annehmen solle. Denn da müssen konkret diese verschiedenen Religionsbekenntnisse nicht mit dem, was das Christentum geworden ist als dieses oder jenes Bekenntnis, sondern mit dem, was es seinem Wesen nach enthält, zusammengestellt werden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt I","site_heading":null,"date":"1912-11-26","location":null,"word_count":324,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/140/1912-11-26/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/140/1912-11-26/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/140/1912-11-26/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}