Das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt I
Die Welt hat heute noch ein ganz besonderes Vorurteil. Man redet davon, wie wenn es in der Welt durchaus so zugehen müßte wie in einer Schule: dass es bloß auf die Weltenlehrer ankäme. Beim Christus handelt es sich nicht um einen Weltenlehrer, sondern um einen Weltentäter, der das Mysterium von Golgatha vollbracht hat und dessen Wesenheit man zu erkennen hat. Darauf kommt es an. Wie wenig es auf das bloße Wort ankommt, auf den bloßen Lehrgehalt, das kann uns gerade dieses lehren, das ein schönes Wort aus dem Mund des Christus ist: «Ihr seid Götter!» (Johannes-Ev. 10, 34), und daß er immer und immer hingewiesen hat darauf,daß der Mensch sein Höchstes erreicht, wenn er zum Bewußtsein des Gotteswesens in seiner Natur kommt. Und man könnte sagen, es tönt in die Welt das Christus-Wort hinaus: Ihr sollt euch bewußt sein, daß ihr göttergleich seid! — Man könnte sagen: Eine große Lehre!
Cite:
GA 140/1912-11-26/p026 · edition original