Das Leben Zwischen Dem Tode Und Einer Neuen Geburt I
Und dann sehe man sich den «Tag» an! Das ist keine stroherne Allegorie. Wenn man sich vorstellen würde, die niederen Glieder der menschlichen Wesenheit seien weniger tätig und am meisten tätig sei das Ich, dann ergäbe das, bis auf die eigentümliche Umdrehung der ganzen Figur, die Figur des «Tages». Und wenn man ausdrücken wollte, wie am freiesten bei Ausschluß der anderen menschlichen Glieder der astralische Leib wirkt, wie er sich in der Geste ausdrückt, so hätte man das bei der sogenannten Allegorie der Morgendämmerung. Und wenn man ausdrücken wollte, wie wenn der physische Leib nicht sogleich zusammenfallen würde, sondern wie er schlaff wird, wenn sich Ich und astralischer Leib herausziehen, so ist das in der Geste der «Abenddämmerung» wunderbar ausgedrückt. Man hat da vor sich die lebendigen Ausgestaltungen der vier menschlichen Wesensglieder. Man kann sich da ganz gut denken, wie eine solche Legende hat entstehen können, die sich verbreitet hat in bezug auf die «Nacht», von der gesagt worden ist, wenn Michelangelo allein war mit ihr, dann konnte sie lebendig werden und aufstehen und herumgehen, wenn man weiß, daß sie die entsprechende Geste des Äther- oder Lebensleibes hat, und der Äther- oder Lebensleib voll tätig sein kann bei dieser Geste. Und wenn man dies empfindet, dann sieht man diese Figur aufstehen, dann weiß man: sie kann herumgehen. Wenn sie nicht aus Marmor wäre, wenn wirklich der Äther- oder Lebensleib allein tätig wäre, der das Belebende ist, dann wäre kein Hindernis, daß sie herumginge.
Cite:
GA 140/1912-11-26/p034 · edition original