Einiges über die Technik des Karma im Leben nach dem Tode
Nehmen wir das nächstliegende Beispiel. Zwei Menschen leben hier in den besten Freundschaftsverhältnissen. Da kommt es häufig vor, der eine bekommt eine gewisse Estimation für die Geisteswissenschaft, der andere, der mit ihm lebt, während ihm vorher die Geisteswissenschaft gleichgültig war, bekommt jetzt einen besonderen Haß darauf. Dieser Haß braucht nicht in der ganzen Seele zu sein, es kann durchaus so sein, daß er nur im Ich-Bewußtsein ist, nicht im astralen Bewußtsein. Im Astralbewußtsein kann der Mensch, der sich immer mehr in den wütenden Haß hineinredet, sie eigentlich lieben und nach ihr verlangen, ohne daß er es weiß. Das ist durchaus möglich. Solche Widersprüche gibt es in der menschlichen Natur. Untersucht man sein Astralbewußtsein, sein Unterbewußtsein, so lebt vielleicht gerade da eine ihm selbst verborgene Sympathie mit der Sache, die er in seinem Oberbewußtsein haßt. Nach dem Tode zeigt sich das besonders bedeutsam; denn nach dem Tode wird der Mensch in dieser Beziehung wahr. Einer, der hier auf Erden sich eingeredet hat, noch so sehr Geisteswissenschaft zu hassen, aber im Unterbewußtsein sie liebt, und der während seines ganzen Lebens abgewiesen hat, was damit zusammenhing, der hat oft die brennendste Liebe nach dieser Geisteswissenschaft. Das kann einen tiefen Schmerz in seinem Kamaloka-Leben bedeuten, daß er nichts weiß und also keine Gedanken der Erinnerung hat. Denn in der ersten Zeit nach dem Tode lebt man vorzugsweise von Erinnerungen. So daß der Mensch nach dem Tode nicht bloß von dem abhängt, was ihn quält oder auch, was ihm Freude macht, von dem, was in seinem Ich-Bewußtsein lebt, sondern daß er auch abhängt von dem, was in seinem Unterbewußtsein sich entwickelt hat. Da wird der Mensch durchaus wahr in dieser Beziehung.
Cite:
GA 140/1912-12-15/p016 · edition original