Einiges über die Technik des Karma im Leben nach dem Tode
Und hier haben wir einen der Punkte, wo wir sehen können, wie Geisteswissenschaft wirklich berufen ist, wenn sie richtig verstanden wird, in das ganze menschliche Leben fruchtbringend einzugreifen. Sehen Sie, der Mensch, der durch die Pforte des Todes geschritten ist, kann nichts ändern in den Beziehungen zu den Wesen, die um ihn sind, und die andern auch nicht, die um ihn sind. Da ist Unveränderlichkeit der Verhältnisse eingetreten. Aber wo noch Veränderlichkeit eintreten kann, das ist auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen den Gestorbenen und den noch Lebenden. Die Lebenden, die noch hier sind auf dem physischen Plan, sind sozusagen, wenn sie in irgendeiner Weise zusammengehangen haben, also beide, sie und der jetzt Verstorbene, hier gewesen sind, die Lebenden sind die einzigen, die etwas lindern können den Schmerz, die etwas stillen können die Qual derjenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Und fruchtbar hat sich in einer großen Anzahl von Fällen erwiesen, was man nennen kann gerade für diesen Fall: das Vorlesen den Toten. Es hat sich wirklich das bewährt: da ist jemand gestorben; hier im Leben hat er sich aus irgendeinem Grunde, aus dem, der genannt worden ist, oder aus anderen Gründen, nicht mit Geisteswissenschaft befaßt. Derjenige, der zurückgeblieben ist, kann aus der Geisteswissenschaft heraus wissen, daß der Verstorbene ein brennendes Interesse für Geisteswissenschaft haben kann. Wenn der Zurückgebliebene nun Gedanken innerlich durchnimmt mit ihm, als wenn der Tote ihm gegenüberstehen würde, mit dem Gedanken, als ob der Tote vor ihm stehen würde, so ist das für den Toten eine große Wohltat. Wir können tatsächlich dem Toten vorlesen. Das überbrückt sozusagen die Kluft, die besteht zwischen den Lebenden und den Toten. Bedenken Sie, wenn die zwei Welten, die durch die materialistische Gesinnung der Menschen so geschieden sind — die Welt des physischen Planes und die spirituelle Welt, die der Mensch durchläuft zwischen Tod und neuer Geburt —, bedenken Sie, wie dies unmittelbar ins Leben eingreift, wenn diese zwei Welten zusammengeführt werden! Wenn Geisteswissenschaft nicht Theorie bleibt, sondern unmittelbarer Lebensimpuls wird, also das, was Geisteswissenschaft eben sein soll, dann gibt es keine Trennung, sondern unmittelbare Kommunikation. Das Vorlesen den Toten ist einer von den Fällen, in denen wir in unmittelbare Beziehung zu den Toten treten können, in denen wir ihnen helfen können. Derjenige, der Geisteswissenschaft gemieden hat, bleibt immer in der Qual, nach ihr zu verlangen, wenn wir ihm hier nicht helfen. Aber wir können ihm auch von hier helfen, wenn er überhaupt ein solches Verlangen hat. So kann der Lebendige dem Toten helfen.
Cite:
GA 140/1912-12-15/p017 · edition original