Zwischen Tod und neuer Geburt

GA 140/1913-01-21/p005 ·1913-01-21 · original (original)
Record: listeners' notes. This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words. Evidence: «Hörernotizen». The unit's own header line in the edition served.

Eigentlich ist der Mensch im allgemeinen in einem gewissen Traum- oder Schlafleben befangen. Jene Menschen, die durch das physische Dasein, wo sie ihr alltägliches Leben führen und über nichts nachdenken, hindurchgehen, gleichen in der Tat Schläfern des Lebens; und die, welche sich bekümmern um das, was über das physische Leben hinausliegt, was hereinwirkt in das physische Leben, das sind Menschen, die auch für das physische Dasein aufwachen. Wir können anknüpfen an die Betrachtungen von dazumal, die uns zeigen können, wie Geisteswissenschaft, wenn sie im richtigen Sinne verstanden wird, geeignet ist, in das gesamte menschliche Dasein einzugreifen. Wir werden sehen, daß die ganze Menschheit, wenn Geisteswissenschaft allmählich immer mehr eindringen kann, auch so etwas erleben wird wie ein Aufwachen aus einer Art von Lebensschlaf. Viele Dinge dringen an den Menschen heran, die zunächst unbekannt und rätselhaft erscheinen, rätselhaft viel mehr für das Gefühl als für den trockenen Verstand. Rätselhaft in gewissem Sinne ist der Augenblick, da eine Mutter an dem Sarge ihres Kindes steht oder umgekehrt. Wenn man sich ein wenig gründlicher zu beschäftigen hat mit dem menschlichen Leben, wird man schon gewahr, wie Rätselvolles im Leben dem Menschen aufgeht. Es kommen oft Menschen zu mir, deren Schwester, deren Mann oder Frau gestorben ist. Sie sagen: Ich habe früher nicht nachgedacht über den Tod, mich nicht bekümmert um das, was danach folgen wird, aber seit mir dieser nahestehende Verwandte weggenommen ist, ist es mir, als ob er noch da ist, und da bin ich getrieben worden zur Betrachtung der Geisteswissenschaft. — Durch das Leben werden die Menschen zur Geisteswissenschaft gebracht, und sie vergilt reichlich, was da durch sie geschieht, denn Geisteswissenschaft kann das Leben durchdringen mit Kräften, die nur von ihr kommen.

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