Zwischen Tod und neuer Geburt
Ein schlafender Mensch lebt ja noch, er ist so etwas wie eine Pflanze. Sie erinnern sich wohl daran, daß ein Repräsentant der Wissenschaft, Raoul France, schreibt, die Pflanze habe Gefühle und könne etwas verzehren; ein Seelisches ist aber in der Pflanze nicht vorhanden.* Von demselben Wert wie die Pflanze ist der schlafende menschliche Organismus. Dringend nötig ist, damit sie lebt, daß Sonnenstrahlen auf die Pflanze fallen. Wir sehen die Erde mit Pflanzen bedeckt, weil die Sonne sie hervorruft; die Erde wäre nicht bewachsen ohne Sonne: während der Winterzeit können die Pflanzen nichts hervorsprossen lassen. Wenn der Mensch schläft, wo ist da seine Sonne? Was im Bett liegt, können wir uns auch nicht denken ohne Sonne: diese Sonne ist in dem, was als das Ich des Menschen heraußen ist; das Ich hat da zu arbeiten am schlafenden Organismus wie die Sonne an der Pflanze.
Cite:
GA 140/1913-01-21/p014 · edition original