Die Kosmische Seite Des Lebens Zwischen Tod Und Neuer Geburt. Der Weg Durch Die Sternensphären
Die nächste Sphäre, in die wir eintreten, ist die Sonnensphäre. Wiederum sind die Verhältnisse anders, als sie für die physische Astronomie sind. Wir bekommen diese Sphäre, wenn wir die Erde mit der Sonne verbinden und einen Kreis beschreiben mit dieser Verbindungslinie um die Erde herum. (Es wird gezeichnet.) Geistig sind die Verhältnisse eben anders als im Physischen. Wir verbreitern uns bis zu dieser Sphäre hinaus, nachdem wir die Venus-Sphäre durchlaufen haben. Für diese Sphäre bereitet uns vor nicht mehr dasjenige, was uns für die Venus-Sphäre vorbereitet hat. Für die Venus-Sphäre können wir so vorbereitet sein, daß wir den Zusammenschluß finden mit all denjenigen menschlichen Seelen, welchen wir religiös nahegestanden haben im Leben zwischen Geburt und Tod. In der Venus-Sphäre sind die Menschen gleichsam abgeschlossen in Bezirke, wie diejenigen Bezirke sind, in welchen auf Erden die Völker, die Rassen verbunden sind. So sind in der Venus-Sphäre Bezirke, in denen diejenigen sich zusammenfinden, welche verwandt sind in ihrem religiösen Empfinden. Das genügt aber nicht mehr für die Sonnensphäre. In der Sonnensphäre fühlt man sich einsam, wenn man auf Erden nur vorbereitet war für eine gewisse Art von religiösem Empfinden in der Seele. In der Sonnensphäre ist man ein geselliges Wesen nur, wenn man im besten Sinne des Wortes Verständnis herausgebildet hat für jedes religiöse Empfinden, wenn man gewissermaßen die tiefere Toleranz entwickelt hat für alle Religionssysteme der Erde. Bis in unsere Zeit war seit dem Mysterium von Golgatha das äußere christliche Religionsbekenntnis gewissermaßen ausreichend; denn dieses christliche Religionsbekenntnis enthält in gewisser Weise doch ein über ein beschränktes Religionssystem weiter hinausgehendes Verständnis in ganz anderer Art als andere Religionssysteme. Man kann sich wirklich davon leicht überzeugen. Viele andere Religionssysteme sind noch auf gewisse Bezirke der Erde beschränkt, und man kann, wenn man nur sehen will, sehr leicht sehen, wie der Bekenner der Hindu-Religion, des Buddhismus und so weiter schon sprechen wird von einer Gleichberechtigung aller Religionen und Religionsweisheit im allgemeinen, aber wenn man tiefer eingeht auf das, was er meint, so finder man, daß er nur seine eigene Religion meint. Er verlangt im Grunde genommen von den anderen Menschen, daß sie seine eigene Religion anerkennen. Das nennt er dann Gleichberechtigung der Religionen. Versuchen Sie, theosophische Zeitschriften zu lesen, welche dem Gebiete Indiens entstammen. Da wird das, was die Inder sagen, als die allgemeine Weltreligion ausgegeben und von denjenigen, die das nicht anerkennen, wird gesagt, daß sie keine redlichen Theosophen seien. Das Urchristentum ist von Anfang an nicht auf diesen Ton gestimmt, besonders da, wo es abendländische Religion geworden ist. Würde es im Abendland so sein, wie es in Indien ist, so hätten wir heute eine Wotan-Religion; das würde dann sein, was zum Beispiel für den Orient die Hindu-Religion ist. Das Abendland hat aber nicht die aus ihm herausgewachsene Religion genommen, sondern von vornherein die Religion eines Stifters, der außerhalb des Abendlandes gelebt hat, des Christus Jesus. Unegoistisch hat das Abendland eine Religion in sein Wesen aufgenommen. Das ist ein prinzipieller Unterschied. Und es liegt im Grunde genommen die wahre Toleranz gegenüber jedem Religionssystem im Wesen des Christentums, wenn auch dieses Wesen vielleicht von abendländischen Christen schlecht verstanden worden ist.
Cite:
GA 140/1913-02-17/p010 · edition original