Vom Durchgang Des Menschen Nach Dem Tode Durch Die Sphären Des Kosmos
Nicht der Durchgang durch den Tod, wie es beim Mysterium von Golgatha der Fall ist, war das Buddha-Schicksal auf dem Mars, aber in gewisser Beziehung war es auch eine Art Kreuzigung, die darin bestand, daß diese wunderbare Individualität, die ausstrahlte nach den Vorbedingungen ihres irdischen Lebens überallhin Friede und Liebe, mitten hinein versetzt wurde unter das, was ihr völlig fremd war: unter das aggressive, unter das kriegerische Element des Mars. Besänftigend zu wirken hatte der Buddha auf dem Mars. Und für den seherischen Blick hat es etwas ungeheuer Eindrucksvolles, wenn zwei Momente miteinander verglichen werden: jener Moment, wo sozusagen innerhalb des Erdendaseins der Buddha aufgestiegen ist zu seiner höchsten Höhe, die er innerhalb des Erdendaseins erreichen konnte, wo er im achtzigsten Lebensjahr, nachdem er fünfzig Jahre als der Buddha auf der Erde gelebt hat — eben zur Buddhawürde erhoben -, in einer wunderbaren Mondnacht, am 13. Oktober 483 vor unserer Zeitrechnung, wie aushauchte sein Wesen in den silbernen Mondenglanz, der die Erde überglimmte. Dieses, das auch im Äußeren ist wie eine Manifestation des von dem Buddha ausglimmenden Friedenshauches, bezeugt uns den Höhepunkt der Buddha-Entwickelung innerhalb seines Erdendaseins. Es ist ein wunderbarer Moment und es hat etwas Eindrucksvolles, wenn man danebenstellt den Moment, wie im Beginn des siebzehnten Jahrhunderts der Buddha auf dem Mars ankommt mit all der Summe von Friedens- und Liebeskräften, um in jenem aggressiven Elemente drinnen seinen Frieden, seine Liebe auszuströmen und dadurch allmählich die aufsteigende Entwickelung des Mars zu inaugurieren. So daß also, wenn eine Seele vor dem Zeitpunkt des Buddha-Mysteriums durch den Mars durchgegangen ist, sie vorzugsweise ausgestattet worden ist mit den aggressiven Eigenschaften, jetzt aber etwas eigentlich wesentlich anderes durchmacht, wenn sie wirklich Anlage hat, von den Kräften des Mars etwas zu empfangen. Es muß, damit kein Mißverständnis entsteht auf diesem Gebiet, aufmerksam gemacht werden, daß ebenso wenig, wie die ganze Erde heute etwa schon verchristet ist, der ganze Mars zu einem Friedensplaneten geworden wäre. Das wird noch lange dauern, so daß also, wenn die Seele Veranlassung hat, aggressive Elemente aufzunehmen, noch genügend Gelegenheit ist, auch solche Elemente in sich aufzunehmen; aber das Ereignis, von dem gesprochen worden ist, muß eben ins geistige Auge gefaßt werden. Je mehr die Erde einer Art materiellen Entwickelung entgegengeht, desto weniger würde man, wenn man wirklich die Erdenentwickelung versteht, zugeben können, daß es naturgemäß wäre, im menschlichen Erdenleben zwischen der Geburt und dem Tode ein Buddha-Bekenner zu sein in dem Sinne, wie der Buddha seine Bekenner gehabt hat in der vorchristlichen Zeit.
Cite:
GA 140/1913-03-12/p021 · edition original