Das Leben nach dem Tode

GA 140/1913-05-13/p010 ·1913-05-13 · original (original)
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Nehmen wir noch einmal jenen extremen Fall von einem Menschen, der ganz und gar keine Beziehungen mit der geistigen Welt angeknüpft hat. Für ihn ist nach dem Tode seine Außenwelt dasjenige, was er auf Erden vermöge seiner physischen Organe erlebt hat. Für solch einen radikalen Atheisten bleibt die Welt nach dem Tode ganz ohne Menschenseelen, und er muß zurückschauen auf sein Erdenleben, auf das, was seine Welt war, was er umfaßt hat mit seinen Taten und Erlebnissen. Das ist dann seine Außenwelt: nichts anderes als das, was ihm als Erinnerung bleibt von dem Leben zwischen Geburt und Tod, und das ist keine ausreichende Welt für die Erlebnisse, die der Mensch braucht im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, wenn der Mensch außerhalb seiner Haut ist, sieht nämlich das Leben zwischen Geburt und Tod ganz anders aus. Hier auf Erden stehen wir zum Beispiel einem Menschen gegenüber, gegen den wir Antipathie haben, mit dem wir Streit gehabt haben, dem wit Beleidigungen und Schmerzen bereitet haben. Wir stecken im Affekt darinnen in bezug auf einen solchen Menschen; wir würden das nicht tun, wenn uns nicht in gewissem Sinne doch wohl wäre bei einer solchen Tat. Vielleicht hat man etwas Reue darüber, dann vergißt man es wieder. Nach dem Tode trifft man diesen Menschen wieder, aber man hat dann das Gegenteil der Befriedigung von dem Erlebnis. Man empfindet dann dieses: Hätten wir das nicht getan, so wären wir vollkommenere Menschen gewesen, also ist unsere Seele in diesem Punkte unvollkommen. — Diese Unvollkommenheit ist der Seele geblieben und muß ihr so lange bleiben, bis die Tat ausgeglichen ist. Wir schauen weniger die Tat als den Makel in unserer Seele: der muß ausgelöscht werden. Das fühlen wir als eine Kraft in uns, die uns führt, eine Gelegenheit zu suchen, um die Tat wieder auszulöschen. Bei einer antispirituellen Seele würde noch dieses dazukommen, daß sie fühlt: Von der Seele, der ich unrecht getan habe, bin ich geschieden; ich muß warten, bis ich ihr wieder einmal begegne, um den Flecken auszuwischen. — Als Empfindung des notwendigen Karma ergibt sich der Rückblick auf das vorige Leben. Mahnend steht das Akasha-Chronik-Bild der anderen Seele vor uns; in lauter solchen Akasha-Chronik-Bildern leben wir dann.

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