Die lebendige Wechselwirkung zwischen Lebenden und Toten

GA 140/1913-10-10/p005 ·1913-10-10 · original (original)
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Dasjenige, was ich, da wir ja gewissermaßen zum ersten Male hier zusammen sind, besprechen möchte, wird eine Art aphoristischen Charakter tragen. Ich möchte aus dem Gebiete der geistigen Welt einiges von dem besprechen, was leichter und besser mündlich gesagt werden kann, als es in unserer Schrift aufgezeichnet werden kann. Leichter mündlich gesagt werden kann es nicht nur aus dem Grunde, weil es heute gegenüber den Vorurteilen der Welt nicht bloß in vieler Beziehung noch schwierig ist, alles sozusagen der Schrift anzuvertrauen, was man gerne anthroposophischen hingebungsvollen Herzen anvertraut, sondern auch schwierig aus dem Grunde, weil wirklich sich die geistigen Wahrheiten besser mündlich sagen lassen, als daß sie der Schrift und dem Druck anvertraut werden. Insbesondere muß das gelten von den intimeren geistigen Wahrheiten. Man hat immer ein etwas bitteres Gefühl, trotzdem in unserer Zeit es ja sein muß, daß diese Dinge auch aufgeschrieben und gedruckt werden; es ist immer mißlich, die intimeren geistigen Wahrheiten, die sich auf die höheren geistigen Welten selber beziehen, aufzuschreiben und sie drucken zu lassen. Schon aus dem Grunde ist das mißlich, weil ja die Schrift und der Druck zu den Dingen gehören, welche die Wesen, von denen man da spricht, die geistigen Wesen, nicht lesen können. Bücher können in der geistigen Welt nicht gelesen werden. Bücher können zwar von uns eine kurze Zeit nach unserem Tode aus der Erinnerung heraus noch gelesen werden, aber die Wesen der höheren Hierarchien können unsere Bücher nicht lesen. Und wenn Sie fragen, ob sie sich denn diese Kunst des Lesens nicht aneignen wollen, so muß ich nach meiner Erfahrung gestehen, daß sie vorläufig keine Lust dazu zeigen, weil sie das Lesen desjenigen, was auf der Erde hervorgebracht wird, für sich selber nicht nötig und nicht nützlich finden. Das Lesen der geistigen Wesenheiten beginnt erst dann, wenn Menschen auf der Erde in den Büchern lesen, das heißt: wenn das, was in den Büchern steht, lebendiger Gedanke der Menschen wird, dann lesen die Geister in den Gedanken der Menschen. Aber dasjenige, was geschrieben oder gedruckt ist, das ist wie die Finsternis für die Wesen der geistigen Welt; so daß man gegenüber diesen geistigen Wesenheiten selber das Gefühl hat, daß wenn man der Schrift oder dem Druck etwas anvertraut, man Mitteilungen macht hinter dem Rücken der geistigen Wesenheiten. Das ist ein reales Gefühl, das ein Kulturbürger der Gegenwart vielleicht nicht ganz teilen wird; aber jeder wahre Okkultist wird dieses Gefühl des Widerstrebens gegen Schrift und Druck haben.

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Cite: GA 140/1913-10-10/p005 · edition original