{"corpus":"steiner","locus":"GA 140/1913-10-10/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir mit dem hellsichtigen Blick in die geistigen Welten eindringen, dann erscheint es uns besonders in der Gegenwart von ganz besonderer Wichtigkeit, daß immer mehr und mehr, von der Gegenwart angefangen, in die nächste Zukunft hinein das Wissen von der geistigen Welt Verbreitung und immer mehr und mehr Verbreitung gewinnt, weil von dieser Verbreitung der Geisteswissenschaft vieles abhängen wird in bezug auf eine immer notwendiger und notwendiger werdende Änderung des menschlichen Seelenlebens. Sehen Sie, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen mit unserem geistigen Blick, wenn wir nur um Jahrhunderte zurückgehen, so finden wir mit dem geistigen Blick etwas, was für den Nichtkenner recht überraschend sein kann. Man findet nämlich, daß der Verkehr zwischen Lebenden und Toten immer schwieriger und schwieriger wird, daß noch vor einer verhältnismäßig kurzen Zeit die lebendige Wechselwirkung der Lebenden und der Toten eine viel regsamere war. Wenn der Christ des Mittelalters oder auch der Christ noch gar nicht lang verflossener Jahrhunderte mit seinem Gebet das Gedenken an die ihm verwandten oder bekannten Verstorbenen gerichtet hat, so waren in diesen verflossenen Jahrhunderten die Gefühle, die Empfindungen eines solchen Betenden viel kraftvoller, als sie heute sind, um zu den verstorbenen Seelen hinaufzudringen. Viel leichter fühlte sich die verstorbene Seele in der Vergangenheit durchdrungen von dem warmen Hauch der Liebe derjenigen, die im Gebet zu ihr hinaufschauten oder hinaufdachten, als das heute der Fall sein kann, wenn wir uns nur der äußeren Zeitbildung hingeben. Und wiederum sind heute die Toten viel abgeschnittener von den Lebenden, als es noch vor einer verhältnismäßig kurzen Zeit der Fall war. Die Toten haben es heute gewissermaßen viel schwieriger, dasjenige zu erblicken, was in den Seelen der Zurückgebliebenen lebendig vorgeht. Dieses liegt in der Evolution der Menschheit. Aber in der Evolution der Menschheit muß es auch liegen, diesen Zusammenhang, diesen lebendigen Verkehr zwischen den Lebenden und den Toten wiederum zu finden. Es war in früheren Zeiten der Menschenseele ein lebendiger Zusammenhang mit den Toten noch auf natürliche Weise eigen, wenn auch nicht mehr mit vollem Bewußtsein, weil ja schon seit einer längeren Vergangenheit die Menschen nicht mehr hellsichtig sind. In noch früherer Zeit konnten die Lebenden auch noch hellsichtig aufblicken zu den Toten, das Leben der Toten verfolgen. Wie früher es der Seele natürlich war, eine lebendige Wechselwirkung zu haben mit den Toten, so kann heute die Seele dadurch, daß sie sich aneignet Gedanken und Ideen über die höheren, geistigen Welten, wieder die Kraft finden, den Verkehr mit den Toten, die lebendige Wechselwirkung herzustellen. Und unter den praktischen Aufgaben des anthroposophischen Lebens wird auch diese sein, daß wiederum die Brücke immer mehr und mehr gebaut werde durch die Geisteswissenschaft zwischen den Lebenden und den Toten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die lebendige Wechselwirkung zwischen Lebenden und Toten","site_heading":null,"date":"1913-10-10","location":null,"word_count":442,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/140/1913-10-10/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/140/1913-10-10/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/140/1913-10-10/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1913-10-10_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}