Erster Vortrag

GA 141/1912-11-05/p014 ·1912-11-05 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Unter den Tätigkeiten, die der Mensch auf dem physischen Plane entwickelt, finden wir eigentlich ähnliche Dinge nur etwa auf dem Gebiete des künstlerischen Schaffens oder auf dem Gebiete des wirklichen Erkenntnisstrebens oder der Förderung einer spirituellen Bewegung. Derjenige Künstler schafft ganz gewiß auch nicht das Höchste, was er nach seinen Anlagen schaffen kann, der nur immer geschäftig und geschäftig sein will und nur immer die Dinge vorwärts und vorwärts bringen will, sondern der Künstler wird das Höchste schaffen, der die Augenblicke der Begnadung abzuwarten in der Lage ist und der auch schweigen kann, wenn sozusagen der Geist nicht zu ihm spricht. Und derjenige gelangt gewiß zu keinen höheren Erkenntnissen, der mit den Begriffen, die er schon einmal hat, nun eine höhere Erkenntnis zusammenzimmern will, sondern der gelangt zu höheren Erkenntnissen, der ruhig, in voller Resignation, wenn ihm eine Frage, ein Welträtsel aufsteigt, warten kann und sich sagt: Ich muß eben abwarten, bis mir aus den geistigen Welten der Lichtstrahl der Antwort kommt. - Und der wirkt gewiß nicht richtig in einer spirituellen Bewegung, der von Mensch zu Mensch läuft und einen jeden so schnell als möglich überreden will, daß diese spirituelle Bewegung das einzig Richtige sei, sondern der warten kann, bis, nachdem die entsprechenden Seelen ihren Trieb zu den Wahrheiten der spirituellen Welt erkannt haben, diese Seelen herankommen. So ist es in bezug auf das Handeln bei demjenigen, was in unsere physische Welt hereinleuchtet, aber namentlich in bezug auf alles, was der Mensch selber in der geistigen Welt vollbringen kann. Und man möchte sagen: Auch die allerpraktischsten Dinge auf diesem spirituellen Gebiet hängen ebensosehr von der Herstellung eines gewissen Zustandes der Ruhe ab.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/141/1912-11-05/p014.json
Cite: GA 141/1912-11-05/p014 · edition original