Vierter Vortrag
Das wird nun anders in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Dieses ganze Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt ist ja dazu bestimmt, in die menschliche Wesenheit die Kräfte hereinzubekommen, welche dem Aufbau des nächsten Lebens dienen können, diese Kräfte sozusagen hereinzusaugen in die menschliche Wesenheit aus der gesamten Sternenwelt. Nun aber ist es bei diesem Vorgang nicht so, wie es auf der Erde ist, daß man sozusagen sich als Mensch selber gar nicht kennt. Denn auf der Erde kennt man sich ja nicht. Was weiß der Mensch von den Vorgängen, die in seinem Organismus stattfinden? Nichts weiß er davon durch unmittelbare Anschauung; und was durch die Anatomie, durch die Biologie und so weiter gewonnen wird, ist ja kein wirkliches Wissen von der menschlichen Wesenheit, sondern etwas ganz anderes. Aber in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt schaut der Mensch an, wie die Kräfte aus der Sternenwelt auf ihn, auf seine Wesenheit wirken, wie sie ihn nach und nach wieder aufbauen. Daraus können Sie entnehmen, wie anders die Anschauung ist zwischen dem Tode und der neuen Geburt als hier auf der Erde. Hier steht der Mensch an einem Punkte der Erde, richtet die Sinne hinaus, und dann geht das Schauen oder das Hören in die Weiten hinaus. Er sieht also von dem Mittelpunkte, in dem er sich befindet, hinaus in die Weiten. Gerade umgekehrt ist es im Leben nach dem Tode. Da fühlt sich der Mensch, wie wenn er mit seinem ganzen Wesen ausgebreitet wäre, und was er anschaut, das ist eigentlich der Mittelpunkt. Er sieht auf einen Punkt hin. Es kommt eine Zeit für den Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, wo er einen Kreis beschreibt, der den ganzen Tierkreis durchläuft. Da schaut er gleichsam von jedem Punkte des Tierkreises, also von verschiedenen Gesichtspunkten aus, auf seine eigene Wesenheit hin und fühlt sich dann so, wie wenn er gleichsam aus den einzelnen Partien des Tierkreises die Kräfte schöpfen würde, die er auf seine Wesenheit ergießt, damit diese das hat, was sie für die nächste Inkarnation braucht. Man schaut also von dem Umkreis auf einen Mittelpunkt hin. Es ist so, wie wenn Sie hier auf der Erde sich verdoppeln könnten, aus sich heraustreten könnten, und Sie ließen sich in der Mitte stehen, gingen um sich herum und würden fortwährend die Kräfte des Weltalls, den belebenden Soma, einsaugen, der aber, weil er von den verschiedenen Seiten einen verschiedenen Charakter annimmt, sich in verschiedener Weise in die Wesenheit, die Sie in der Mitte stehengelassen haben, ergießt. So ist es, ins Geistige übersetzt, tatsächlich im Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Wenn wir uns nun den Unterschied vor das Auge führen wollen, der da besteht zwischen einem Zustande, der eigentlich ziemlich nabe ist dem Erleben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, nämlich zwischen dem Schlafzustande und diesem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, so können wir diesen Unterschied eigentlich sehr einfach charakterisieren, obwohl der, welchem solche Vorstellungen ungewohnt sind, sich nicht viel dabei vorstellen kann. Aber man kann es in einfacher Weise folgendermaßen charakterisieren. Wenn der Mensch in seinem Erdendasein schläft, also seinen physischen Leib und Ätherleib verlassen hat und in seinem Ich und astralischen Leib lebt, die dann in der Sternenwelt sind, so ist er auch draußen in dem ganzen Sternengebiete. Und es ist tatsächlich so, daß unser Zustand im Schlafe objektiv viel ähnlicher ist dem Zustande zwischen dem Tode und der neuen Geburt, als man gewöhnlich glaubt. Objektiv sind diese beiden Zustände einander ganz ähnlich. Sie sind nur dadurch voneinander verschieden, daß der Mensch im Schlafe beim normalen Leben kein Bewußtsein hat von der Welt, in derer während des Schlafes ist, und zwischen dem Tode und der neuen Geburt hat er ein Bewußtsein, da weiß er, was mit ihm vorgeht. Das ist der wesentliche Unterschied. Würde der Mensch in seinem Ich und astralischen Leib, wenn diese im Schlafe außer dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sind, einfach aufwachen, so würde er in demselben Stadium sein, in welchem er ist zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Der Unterschied ist tatsächlich nur ein Bewußtseinszustand. Und dieser Umstand ist aus dem schon angeführten Grunde sehr bedeutsam. Er ist bedeutsam, weil der Mensch, solange er auf der Erde weilt, also auch während des Schlafzustandes, an seinen physischen Leib gebunden ist; er ist nicht frei von dem physischen Leibe im Schlafzustande. Er kann erst frei werden vom physischen Leibe, wenn dieser physische Leib in den leblosen Zustand übergeht, wenn er eine Veränderung erleidet, wie es geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Solange der physische Leib lebensfähig ist, bleibt eine Verbindung zwischen dem eigentlichen geistigen Menschen, Ich und Astralleib, und zwischen dem physischen Leib und Ätherleib aufrechterhalten.
Cite:
GA 141/1912-12-10/p004 · edition original