Vierter Vortrag

GA 141/1912-12-10/p021 ·1912-12-10 · original (original)
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Das war nun schon in der griechisch-lateinischen Zeit anders. Da war die Empfindlichkeit der Menschen für alles, was ich jetzt erzählt habe, schon verlorengegangen, und was noch vorhanden war, das war die Erinnerung daran. Also in der griechisch-lateinischen Zeit war bei den maßgebenden Völkern, zum Beispiel des europäischen Südens, nicht mehr in demselben Maße die Möglichkeit vorhanden, die geistigen Wesenheiten des Sternenhimmels zu schauen, aber die Erinnerung daran war vorhanden. Es hatte daher eine Seele, die innerhalb der griechisch-lateinischen Kultur geboren wurde, nicht mehr die Möglichkeit, hinauszuschauen in die Sternenwelten, um das Geistige zu schauen; man sah nicht mehr in demselben Maße wie in der ägyptisch-chaldäischen Zeit die geistigen Wesen, die zu den Sternenwelten gehörten. Aber wie der Mensch sich heute an das erinnert, was er gestern erlebt hat, so erinnerten sich die Seelen noch an das, was sie in früheren Inkarnationen über das Weltall erfahren hatten. Das strahlte herein in die Menschen, von dem wußten sie, daß es in ihren Seelen lebt. Plato deutet es als Erinnerung. Aber die Menschen deuten es nicht immer als Erinnerung. Und darin besteht der Fortschritt in der Entwickelung, daß dieses unmittelbare Wahrnehmen heruntergedämpft wurde und dafür während der griechisch-lateinischen Zeit das Urteilen, die Begriffswelt sich ausbildet, die ja erst in dieser Zeit kam. Dafür mußte das andere zurückgehen, konnte bloß in der Erinnerung leben. Am schönsten kann man das bei dem im 4. vorchristlichen Jahrhundert lebenden Aristoteles sehen, der ja der Begründer der Logik ist, der Kunst des Urteilens, der selber nichts mehr wahrnehmen konnte von dem, was als Geistiges in den Sternenwelten draußen ist, aber in seinen Schriften die ganzen alten Theorien wieder bringt, so daß er nicht von etwas redet, was wir heute als physische Weltenkörper kennenlernen, sondern er spricht von den «Sphärengeistern», von geistigen Wesenheiten. Und ein großer Teil der Ausführungen des Aristoteles ist der Aufzählung der einzelnen Planetengeister, der Fixsterngeister und so weiter bis zu dem einheitlichen Weltengotte gewidmet. Die Sphärengeister spielen bei Aristoteles noch eine große Rolle.

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Cite: GA 141/1912-12-10/p021 · edition original