Sechster Vortrag
Im Beginne dieser Reihe von Vorträgen ist gesagt worden, daß wir nach und nach versuchen, das, was der Okkultismus, was das Sehertum zu sagen hat über das Wesen des Menschen, vor dem gesunden Menschenverstande zu rechtfertigen. Dieser gesunde Menschenverstand muß aber wirklich beobachten wollen, wie der Mensch in den ersten Lebenszeiten sich hereinbegibt in die physische Welt, wie er da allmählich hereintritt. Was ist denn, wenn der Mensch ins Leben tritt, am meisten fertig? Die äußere Form ist eigentlich noch wenig hervortretend, denn der Mensch widerspricht seiner äußeren Form. Er muß sich erst selbst in die ihm bestimmte Form hineinbewegen. Was ist denn am meisten fertig am Menschen - nicht nur nach der Geburt, sondern auch vor der Geburt? Das ist das Haupt, das ist der Kopf. Das ist das, was im Grunde genommen überhaupt von den physischen Organen mit einiger Deutlichkeit wirklich ausgebildet wird, auch im Embryo. Warum ist das? Das ist aus dem Grunde, weil keineswegs alle Organe im Menschen in gleicher Weise von den Wesenheiten der höheren Hierarchien, von den Geistern der Form, sozusagen durchsponnen, durchwoben werden, sondern die verschiedenen Glieder in verschiedener Weise: anders der Kopf, anders der Teil des Menschen, an dem Arme und Beine sitzen. Wesentlich unterscheidet sich der Kopf von der übrigen, auch physischen Wesenheit des Menschen. Wenn wir den Menschenkopf hellseherisch betrachten, so zeigt sich, daß er sich zum Beispiel von der Hand in sehr merkwürdiger Weise unterscheidet. Wenn man die Hand bewegt, so bewegen sich die physische Hand und das, was als Ätherleib der Hand zugrunde liegt, in gleicher Weise. Wenn aber eine gewisse Ausbildung im Hellsehertum erlangt ist, so ist es möglich, daß der Hellseher die physische Hand festhalten kann und nur die Ätherhand in Bewegung bringt. Das ist eine besonders wichtige Übung: bewegliche Teile festhalten und nur die Ätherteile bewegen. Dadurch, daß dies erlangt wird, wird immer mehr und mehr das fortschreitende Hellsehertum der Zukunft sogar entwickelt, während alles Nachgeben den Bewegungen, die sich sozusagen unbewußt, von selber machen, ein Wiederaufleben des Derwischtumes ist, das heute schon. überwunden ist. Ruhen des physischen Leibes ist das Charakteristikon des heutigen Hellsehertums; alle möglichen zappelnden und dergleichen Bewegungen sind das Charakteristikum der alten Zeit gewesen. Es würde daher etwas ganz Besonderes sein, wenn der Hellseher zum Beispiel eine ganz bestimmte Lage seiner Hände - etwa über die Brust gekreuzte Hände festhalten würde und die größte Beweglichkeit seiner Ätherhände beibehielte; so daß er mit den letzteren alles Mögliche in der Übersinnlichkeit ausführte, während er die physischen Hände festhalten würde. Das würde eine ganz besondere Ausbildung sein, wo sich die Selbstkontrolle des Menschen in bezug auf die Hände ausdrückte.
Cite:
GA 141/1913-01-07/p015 · edition original