{"corpus":"steiner","locus":"GA 141/1913-03-04/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun besteht die Tatsache, daß der Mensch mit seiner ganzen Seele nach den Entwickelungen, die er bis zum gegenwärtigen Menschheitszyklus durchgemacht hat, jetzt dazu vorbereitet ist, eben einmal auf der Erde an die Art anthroposophischen Lebens heranzutreten, an die man nur herantreten kann, weil man im physischen Leibe lebt, weil man das physische Leben mitmacht. Dazu ist der Mensch vorbestimmit. Und macht er es nicht mit, so kann er zu keiner der geistigen Wesenheiten Beziehungen entwickeln, die diese zu seinem Lehrer machen. Man kann nicht einfach sterben und dann nach dem Tode einen Lehrer finden, der einem ersetzen könnte, was hier im physischen Erdenleben als Anthroposophie an die Seelen herantreten kann. Wir brauchen nicht deshalb zu trüben Gedanken zu kommen, weil wir sehen, daß viele Menschen die Anthroposophie verschmähen, und wir nun voraussetzen müssen, daß sie sich dieselbe zwischen Tod und neuer Geburt nicht aneignen können. Wir brauchen deshalb nicht zu verzweifeln, denn diese Menschen werden in einem neuen Erdenleben geboren werden und dann wird schon genügend anthroposophische Anregung und Anthroposophie auf der Erde vorhanden sein, so daß sie diese dann aufnehmen können. Für die heutige Zeit ist Verzweiflung noch nicht am Platze - was nun aber keinen dazu bringen soll, zu sagen: Ich kann die Anthroposophie im folgenden Leben aufnehmen; jetzt kann ich es mir noch sparen! - Nein, auch das kann nicht nachgeholt werden, was hier versäumt wird. Als unsere deutsche theosophische Bewegung ganz im Anfange war, sprach ich einmal in einem Vortrage über Nietzsche von gewissen Dingen der höheren Welten. In den Zusammenhang, in welchem das damals gesprochen wurde, waren Diskussionen eingefügt. Während derselben stand jemand auf und sagte: Eine solche Sache muß man immer an der Kantschen Philosophie prüfen, und da kommt man doch darauf, daß man all diese Dinge hier nicht wissen kann; denn erst dann kann man darüber etwas wissen, wenn man gestorben sein wird. - Ganz wörtlich sagte das der Betreffende damals. Nun, so ist es nicht, daß man bloß sterben braucht, um irgendwelche Dinge zu erfahren. Man erfährt, wenn man durch die Pforte des Todes geht, die Dinge nicht, für die man sich nicht vorbereitet hat. Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt ist durchaus eine Fortsetzung des Lebens hier, wie wir an den schon vorgebrachten Beispielen gesehen haben. Daher können wir von den Wesenheiten der höheren Hierarchien nach dem Tode als Menschen dasjenige, was wir dadurch erlangen können, daß wir überhaupt Anthroposoph werden, nur dadurch erlangen, daß wir uns hier auf der Erde dazu vorbereitet haben. Unser Zusammenhang mit der Erde, unser Durchgang durch das Erdenleben hat eben eine Bedeutung, die durch nichts ersetzt werden kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-03-04","location":null,"word_count":435,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/141/1913-03-04/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/141/1913-03-04/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/141/1913-03-04/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}