Neunter Vortrag
Das ist es, was uns so recht die große, bedeutungsvolle Mission der Anthroposophie nahebringt, daß die Anthroposophie den Abgrund überbrücken wird zwischen den Lebenden und den Toten, daß die Menschen nicht dahinsterben, als wenn sie von uns fortgehen, sondern daß wir mit ihnen in Verbindung bleiben und für sie tätig sein können. Wenn jemand fragt, ob man denn immer wissen könne, ob der Tote uns auch zuhöre, so muß gesagt werden, daß auf der einen Seite die Menschen, die so etwas mit wirklicher Hingabe tun, nach einiger Zeit aus der Art, wie die Gedanken in ihrer eigenen Seele leben, die sie dem Toten vorlesen, wirklich merken werden, daß der Tote sie umschwebt. Aber das ist immerhin eine Empfindung, die nur feiner beobachtende Seelen haben können. Das Ärgste, was passieren kann, ist, daß eine solche Sache, die ein großer Liebesdienst sein kann, eben nicht angehört wird; dann hat man sie für den Betreffenden unnötig gemacht. Vielleicht aber hat sie dann im Weltenzusammenhange noch eine andere Bedeutung. Man sollte sich aber um einen solchen Mißerfolg nicht viel kümmern, denn es kommt doch vor, daß man hier einer Anzahl von Menschen etwas vorliest — und sie einem auch nicht zuhören.
Cite:
GA 141/1913-03-04/p027 · edition original