{"corpus":"steiner","locus":"GA 143/1912-04-16/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen wir einmal an, ein Mensch würde mit dem Leben heute nicht zurechtkommen und sich sagen: Also muß ich suchen in dem weiten Umkreise dessen, was ich auf der Erde finde, ob mir irgendwo eine Kraft ersprießen kann, die mir etwas geben kann, wodurch ich aus dem Zwiespalt herauskomme, die mir hinaushilft. - Es ist naturgemäß, daß der Mensch mit den Mitteln der alten Konfessionen nicht mehr zurechtkommen kann, daß er mit den alten kirchlichen Vorstellungen nichts mehr verbinden kann, was ihm diese Kraft, die er sucht, geben kann. Nehmen wir aber an, um ein konkretes Beispiel anzuführen, ein solcher Mensch ginge zu einer der alten heiligen Religionen, er ginge zum Beispiel zum Buddhismus und vertiefte sich in die außerordentlichen Lehren des Buddhismus. Wenn der Mensch naturgemäß in aller Stärke den charakterisierten Zwiespalt empfindet - ich sage nicht, daß sich das aus einer Theorie ergibt, sondern aus einer unbestimmten Empfindung -, dann würde er so empfinden: In der Persönlichkeit, der Individualität des Gautama Buddha hat etwas gelebt, was in der Welt erst auf Grundlage einer langen Entwickelung kommen kann. Diese Individualität ist durch viele Inkarnationen hindurchgegangen, hat immer höhere und höhere Grade der Evolution erreicht und ist endlich soweit gekommen, daß sie im neunundzwanzigsten Jahre ihres Lebens als Gautama Buddha vom Bodhisattva zum Buddha aufsteigen konnte, so aufsteigen konnte, daß diese Individualität nicht mehr in einen physischen Leib zurückzukehren brauchte. Was da ausfließt aus dieser Individualität, wie ist es zustande gekommen? Fühlen kann jedes unbefangene Gemüt das, was aus dem Buddha spricht, was erst durch den Bodhisattva innerhalb der Erdenentwickelung, innerhalb vieler Inkarnationen geworden, herangewachsen ist. Das alles enthält im schönsten, großartigsten Sinne die Kräfte, die sich im Umkreise der Erde finden, in dem Zusammenspiel der Kräfte der Organisation und der luziferischen Kräfte. Daher wirkt das, was vom Bodhisattva zum Buddha fließt, weil es gegangen ist von Inkarnation zu Inkarnation, weil es aus denselben Kräften stammt, aus denen die Menschenkräfte stammen, deshalb wirkt es so, daß die unbefangene Seele nicht fühlt, was den vollen Einklang hervorrufen kann zwischen dem Ich des Menschen und seiner Organisation. Es fühlt die Seele: Etwas muß es geben, was nicht von Inkarnation zu Inkarnation geht, sondern, was unmittelbar hereinströmen kann aus den geistigen Welten in jede Menschenseele. - Wenn die Menschenseele fühlt, daß sie eine Beziehung haben muß zu dem, was von den Himmeln herunterströmt, dann fängt sie an, eine innerliche Erfahrung von dem Christus zu haben. Dann wird es ihr auch begreiflich, daß in dem Christus Jesus etwas auftreten mußte, was sich unterscheidet von alledem, was vorher war. Das ist der radikale, der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Leben des Christus und dem des Buddha.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"DIE DREI WEGE DER SEELE ZU CHRISTUS Erster Vortrag, Stockholm.","site_heading":null,"date":"1912-04-16","location":null,"word_count":440,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/143/1912-04-16/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/143/1912-04-16/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/143/1912-04-16/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}