DIE DREI WEGE DER SEELE ZU CHRISTUS Zweiter Vortrag
Und daraus folgt etwas ungeheuer Wichtiges für das praktische Gefühl und die praktische Betätigung. Und was ist dieses Wichtige? Daß aus der anthroposophischen Stimmung das volle Verständnis, die innige Achtung und die volle Anerkennung des Wahrheitskernes aller Religionen folgen wird, und daß diejenigen, die aus anthroposophischer Gesinnung heraus über die Welt und ihren Entwickelungsgang denken, respektieren werden die Wahrheiten, die in den einzelnen Religions-systemen vorhanden sind. Es wird die höchste Achtung sich ergeben und der höchste Respekt wird Platz greifen. Ja, meine lieben Freunde, das wird sich ergeben aus der anthroposophischen Geistesströmung für die einzelnen Religionsbekenntnisse auf Erden: Man wird hingehen zu den Bekennern der einzelnen Religionssysteme der Erde und man wird nicht glauben, ihnen aufpfropfen, einimpfen zu können andere Bekenntnisse. Wir werden vielmehr zu ihnen gehen und aus unserem eigenen Religionsbekenntnisse heraus werden wir entwickeln, was in ihrem Bekenntnisse an Wahrheit ist. Und man wird, wenn man herausgeboren ist aus einer Gegend, wo eine bestimmte Religion herrscht, aus dieser Religion heraus nicht intolerant abweisen die anderen Religionen, sondern wird doch eingehen können auf das, was als Wahrheit in den verschiedenen Religionen enthalten ist. Nehmen wir ein Beispiel. Solch ein Beispiel kann nur verstanden werden von denen, die in ihrer tiefsten Seele Ernst machen mit der anthroposophischen Gesinnung, mit dem, was folgen muß aus der Erkenntnis der Grundbedingungen des Wesens der Initiation Nehmen wir an, ein Abendländer sei aufgewachsen innerhalb des Christentums. Er wird das Christentum vielleicht dadurch kennengelernt haben, daß er die großen Wahrheiten seiner Evangelien in sich aufgenommen hat. Vielleicht ist er auch schon zu dem gelangt, was genannt wird der Weg der inneren Erfahrung zu dem Christus Jesus, vielleicht hat er schon in seiner inneren Erfahrung den Christus erlebt. Nehmen wir an, er lernt nun eine andere Religion kennen, zum Beispiel den Buddhismus. Er lernt bei denjenigen, welche ganz in den heiligen Wahrheiten und Erkenntnissen des Buddhismus darinnenstehen, kennen dasjenige, was dem materialistischen Abendländer ein Argernis ist, was wir Anthroposophen aber verstehen können, er lernt kennen, daß der Stifter ihrer Religion, nachdem er viele Inkarnationen auf Erden als Bodhisattva gelebt hat, wiedergeboren wurde als Königssohn, als Sohn des Suddhodana; er lernt weiter erkennen, daß er im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens als Bodhisattva zum Buddha aufgerückt ist, daß mit diesem Aufsteigen zum Buddha gegeben ist in dieser Religion, da sie aus der Initiation stammt, die eine große Wahrheit, die nicht nur für den Buddhismus, die für alle Menschen gilt, die jeder Initiierte anerkennen wird, und die alle Menschen anerkennen, die den Buddhismus verstehen, er lernt erkennen, daß der Bekenner des Buddhismus mit Recht sagt: Wenn der Bodhisattva in einer menschlichen Inkarnation zum Buddha wird, so ist diese Inkarnation, die der Buddha auf Erden durchzumachen hat, die letzte; dann kommt er nicht wieder in einen menschlichen Leib zurück.
Cite:
GA 143/1912-04-17/p009 · edition original