Vorverkündigung und Heroldtum des Christus-Impulses Der Christus-Geist und seine Hüllen: eine Pfingstbotschaft

GA 143/1912-05-08/p008 ·1912-05-08 · original (original)
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So mußte eine Persönlichkeit ausgewählt werden, die intellektuell zwar nicht besonders hoch stand, und das hatte natürlich alle möglichen Nachteile. Frau Blavatsky hat dadurch in die große Botschaft mithineingebracht alle Sympathie und Antipathie ihres stark leidenschaftlichen Charakters. Nun hatte sie eine starke Antipathie gegen diejenige Weltanschauung, welche strömt aus den alttestamentlichen und neutestamentlichen Urkunden, sie hatte eine starke Antipathie gegen das hebräische und christliche Element. Eines ist aber nötig, um die Urweisheit der Menschheit in ihrer reinen Urgestalt zu erkennen, und das ist, mit vollem Gleichmaß der Gefühle den Offenbarungen, die von den höheren Welten kommen, gegenüberzustehen. Antipathie und Sympathie bilden eine Art Nebel vor unserem inneren Auge. So kam es, daß Frau Blavatsky immer mehr dazu gedrängt wurde, einen Nebel vor sich zu bekommen, und deutlich nur sehen konnte dasjenige, was durch die sogenannten rein arischen Überlieferungen gegangen ist. Das sah sie in seinen spirituellen Tiefen mit besonderer Klarheit, aber sie wurde dadurch einseitig und so kam es, daß sie in ihrem zweiten großen Werke, der «Geheimlehre», einseitig die gewaltige, alte arische Urreligion darstellte. Das Mysterium vom Sinai und von Golgatha darf man nicht suchen bei Frau Blavatsky, weil sie diesem Antipathie entgegenbrachte. Daher wurde sie gelenkt nach Mächten hin, die mit großer Gewalt und großer Klarheit geben konnten alles dasjenige, was außerchristlich ist. Das ist zu suchen in den wunderbaren «Dzyan»-Strophen, die Frau Blavatsky in der «Geheimlehre» mitgeteilt hat. Aber sie wurde dadurch auch abgedrängt vom Pfade der Initiation in der physischen Welt, die in der «Entschleierten Isis» zwar herauskommt, aber nur in gebrochenen Strahlen. In der «Geheimlehre» aber konnte Frau Blavatsky nur darstellen — weil sie einer einseitigen Initiation unterlag — diese einseitige Strömung, die gelenkt wurde durch jene außerchristliche Weltanschauung. So kam denn in der «Geheimlehre» ein eigenartiges Buch zustande, in dem die größten Offenbarungen stehen, welche die Menschheit damals empfangen konnte. Es stehen Dinge darinnen, die auch in einer anderen Schrift hervorgehoben sind: in den Briefen der «Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen», den sogenannten Meisterbriefen. Da findet man wiederum ein Größtes, das der Menschheit geoffenbart worden ist. Aber es gibt auch andere Partien in der «Geheimlehre». Es gibt da zum Beispiel ausführliche Mitteilungen über die Theorie der Masse. Gerade wer aus richtigem Verständnis heraus die Dzyan-Strophen und die Meisterbriefe zu dem Höchsten zählt, was der Menschheit mitgeteilt ist, hat aus den weit ausgedehnten Partien über die Theorie der Masse den Eindruck, als ob sie herrührten von jemandem, der an dem Schreibwahnsinn gelitten hat, der immer nur hingeschrieben hat, was ihm eingefallen ist und nicht die Feder aus der Hand legen konnte. Und andere Partien sind darin, wo die tiefe leidenschaftliche Natur über wissenschaftliche Dinge spricht, ohne daß eine genaue Kenntnis der Sache vorliegt. So ist die «Geheimlehre» ein zusammengeschachteltes Buch von Dingen, die man ausschalten sollte, aber auch von Dingen der höchsten Weisheit. Begreiflich wird das, wenn man danebenhält die Erklärung eines tiefen Kenners und guten Bekannten von Frau Blavatsky. Er sagt: Frau Blavatsky war eigentlich ein Dreifaches. Zunächst war sie die kleine, häßliche Frau, mit unlogischem Denken, mit leidenschaftlichem Charakter, die sich immer ärgerte über irgend etwas, die zwar gutmütig, liebevoll und mitleidvoll war, aber durchaus nicht, was man eine begabte Frau nennt. Zum zweiten war sie, wenn die großen Wahrheiten aus ihr redeten, ein Schüler der großen Meister: dann veränderten sich ihre Züge, ihre Gebärden, dann war sie eine andere, dann redeten die geistigen Welten aus ihr. Dann gab es noch eine dritte, das war eine königliche Erscheinung: ehrfurchtgebietend, alles überragend. Das war in den seltenen Momenten, wo die Meister selber aus ihr redeten und sich kundgaben in ihren Worten und Schriftzügen. — Diejenigen, die vom Wahrheitssinn beseelt sind, werden immer sorgfältig unterscheiden, auch in den Werken von Frau Blavatsky, um was es sich handelt. Kein größerer Dienst könnte gerade Frau Blavatsky getan werden, zu der wir heute den Blick richten, als sie im Lichte der Wahrheit zu erkennen; kein größerer Dienst könnte ihr getan werden, als die theosophische Bewegung im Lichte der Wahrheit zu führen.

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