Vorverkündigung und Heroldtum des Christus-Impulses Der Christus-Geist und seine Hüllen: eine Pfingstbotschaft
Uns aber wird durch die Geisteswissenschaft klar, daß das, was in Raffael als Individualität lebt, dasjenige, was sie sich erarbeitet hat, weiterträgt, und daß dieses Erarbeitete wieder erscheint mit ihr. Und wenn wir erfahren, daß diese selbe Individualität wiedererscheint in dem Dichter Novalis, und wenn wir nun des Novaliis erste Verkündigung nehmen, die wie eine Morgenröte einer neuen lebendigen Christus-Idee erscheint, dann sagen wir uns: Lange bevor in der äußeren Welt verschwindet, was Raffael geleistet hat, lange vorher ist die Individualität dieser Persönlichkeit wieder da, um in neuer Form zu geben dasjenige, was sie der Menschheit zu geben hat. Wie gut war es, daß eine Zeitlang die abendländische Kultur nur die abgegrenzte Persönlichkeit betrachtet, daß wir eine Persönlichkeit schon durch ihr Einzelleben lieben gelernt haben! Wie unendlich bereichert wird nun unser Gemüt, wenn wir lernen, wie das Ewige des Menschen von Persönlichkeit zu Persönlichkeit geht! Und wenn uns diese Persönlichkeiten noch so verschieden erscheinen, irgendwo werden wir Verständnis finden durch dasjenige, was spirituelles Wissen uns geben kann an konkreten Tatsachen über menschliche Wiederverkörperung und Karma. Nicht so sehr von den allgemeinen Begriffen und Lehren, sondern gerade von demjenigen, was Licht hineintragen kann in das einzelne, wird die Menschheit etwas haben. Dann kann so mancherlei, das nur durch intuitives Schauen und durch die okkulte Forschung erlangt werden kann, sich an diese Dinge anschließen, dann können wir endlich hinrichten den Blick auf das Mysterium von Golgatha selber, können uns erinnern, daß im dreißigsten Jahre des Lebens des Jesus von Nazareth in ihn die Christus-Wesenheit einzog und durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.
Cite:
GA 143/1912-05-08/p024 · edition original