{"corpus":"steiner","locus":"GA 143/1912-05-16/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Geisteswissenschaft macht uns bekannt mit dem Wahrheitskern der verschiedenen Religionen. Nehmen wir einen springenden Punkt im Buddhismus: Der Buddhist weiß, wenn er den Grundnerv seines Bekenntnisses verstanden hat, daß es Bodhisattvas gibt, und er weiß, daß diese Bodhisattvas, einmal als eine Individualität beginnend, eine raschere Entwickelung als die anderen Menschenindividualitäten durchmachen und dann aufsteigen zum Buddha. Buddha ist ein genereller Name für alle diejenigen, die in einer menschlichen, fleischlichen Inkarnation vom Bodhisattva zum Buddha aufsteigen. Und einer von denen, die mit dem Namen Buddha besonders ausgezeichnet werden, ist eben der Sohn des Shuddhodana: Gautama Buddha. Und von ihm muß man anerkennen, wie von jedem Buddha, daß, wenn er im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens die Buddha-Würde erreicht, daß dann diejenige Inkarnation, in welcher dies geschieht, als letzte Inkarnation verläuft, daß er dann nicht wieder herunterzusteigen braucht zu einer fleischlichen Erdeninkarnation. Das sieht der Buddhist als eine Wahrheit an. Als eine Kinderei würde es der vergleichende Religionsforscher anschauen. Der Anthroposoph aber, der sich bekanntmacht mit den Geheimnissen der Religionen auf allen Gebieten, der tritt dem Buddha nicht so entgegen, sondern er weiß, daß eine solche Sache eine Wahrheit ist. Und so wie nur irgendein gläubiger Buddhist steht der Anthroposoph dem Buddhismus gegenüber und sagt: Ja, ich weiß, daß es so etwas gibt wie Bodhisattvas, die zum Buddha aufsteigen, der sich nicht wieder zu verkörpern braucht. Das ist einer der Sätze deiner Religionsgemeinschaft, ich erkenne ihn an, so wie du selber, und indem ich das anerkannt habe, kann ich verehrend zu deinem Buddha aufblicken wie du selber. - Das heißt, der anthroposophische Christ beginnt voll zu verstehen dasjenige, was der Buddhist sagt, und er hat mit ihm dieselben Empfindungen und Gefühle, er teilt sie mit ihm, und sie verstehen sich von der einen Seite zunächst.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zur Synthese der Weltanschauungen Eine Vierfache Heroldschaft","site_heading":null,"date":"1912-05-16","location":null,"word_count":292,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/143/1912-05-16/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/143/1912-05-16/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/143/1912-05-16/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}