{"corpus":"steiner","locus":"GA 144/1913-02-04/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Oder, um ein anderes Beispiel anzuführen, man kann hinschauen auf das, was der Seher lernt, indem er auf eine sehr weit verbreitete Eigenschaft unter den Menschen den Blick richtet: Es ist das, was man bezeichnen kann als Bequemlichkeit, als Behaglichkeitssucht. Bequemlichkeit, Behaglichkeitssucht ist wahrhaftig eine weiter verbreitete Eigenschaft, als man gewöhnlich glaubt. Viel mehr, als man denkt, machen die Menschen aus Bequemlichkeit. Bequem sind die Menschen in ihrem Denken, bequem sind die Menschen in ihrem äußeren Handeln und Gebaren. Und namentlich bequem erscheinen sie, wenn sie irgend etwas ändern sollen in ihrem Denken oder in ihrem Handeln und Gebaren. Wären die Menschen im Innersten ihrer Seele nicht so bequem, so würde es nicht so oft geschehen sein, daß, wenn an sie die Forderung herantrat, in dieser oder jener Sache umzulernen, sie sich dagegen gesträubt haben. Gesträubt haben sie sich, weil es unbequem ist, in bezug auf irgendeine Sache umzulernen. Es war ja unbequem, nachdem man solange gedacht hatte, daß die Erde stille steht und die Sonne und der Sternenhimmel sich um sie herumbewegen, nun plötzlich von der Bewegung der Erde durch Kopernikus zu hören, und umzulernen! Eine unbequeme Sache war das, daß einem so der Boden unter den Füßen — wenigstens theoretisch — wie weggezogen wurde. Und alles, was sich damals gegen diesen neuen Gedanken aufgelehnt hat, war entsprossen aus der Denkbequemlichkeit, aus der Behaglichkeitssucht, weil alles Umlernen unbehaglich ist. Aber man braucht nur das alleralltäglichste Leben zu betrachten, und man wird die «Tugend» - die eigentlich natürlich eine Untugend ist - der Bequemlichkeit weit verbreitet finden. Man hat in der neueren Zeit doch schon ein wenig eine Ahnung bekommen von der ganz ungeheuren Verbreitung der Bequemlichkeit unter der Menschheit. Das mag aus folgendem ersichtlich sein.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-02-04","location":null,"word_count":286,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/144/1913-02-04/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/144/1913-02-04/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/144/1913-02-04/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}