Zweiter Vortrag
Es muß nur durch die Trainierung dafür gesorgt werden - und es wird auch bei einer richtigen Schulung dafür gesorgt -, daß man nicht für das gewöhnliche Leben beirrt wird durch die Änderung der Empfindungen und Gefühle. Das muß ja erreicht werden, daß man, wenn man ein Seher ist, eben nur für die höheren Welten ein Seher ist, und daß man das, was man als Charakter, als Seelenstimmung haben muß für die höheren Welten, ja nicht in die gewöhnliche physische Welt hineinträgt. In keiner Weise sollte man das. Man sollte Seher werden können, und in der gewöhnlichen physischen Welt ein ganz vernünftiger Mensch sein, wie ein anderer auch. Daher taugen für die Ausbildung des Seherwesens am wenigsten solche Leute, die von vornherein zur Schwärmerei veranlagt sind. Schwärmer, abstrakte Idealisten, die sozusagen in der physischen Welt schon dasjenige erleben, was ja in der geistigen Welt seine gute Berechtigung hat, also Leute, die schon in der physischen Welt «das Gras wachsen hören», die überall sozusagen schon wahrnehmen, was eben nur der Schwärmer wahrnimmt, was nicht die nüchterne, auf das Reale hingeneigte Natur wahrnimmt, Menschen, die sich leicht etwas vormachen - es gibt viel mehr Menschen von dieser Sorte, als man gewöhnlich meint -, taugen nicht für die Ausbildung des Sehergeistes. Menschen, die mit beiden Füßen in der Wirklichkeit stehen, die von der Wirklichkeit auch etwas verstehen und die Dinge so beurteilen, wie sie sind, die taugen am besten auch für die Ausbildung des Sehergeistes. Damit ist schon angedeutet, wie man seine Gefühle und Empfindungen, die schon einmal für die physische Welt notwendig sind, nicht beirren lassen darf durch das, was man sich aneignet für den Aufstieg in die höheren Welten.
Cite:
GA 144/1913-02-04/p016 · edition original