Vierter Vortrag
Wenn wir die Sache so ansehen, haben wir auf der einen Seite das Reich des Gral, auf der anderen Seite das böse Reich Chastelmarveille, in das hereinspielt, was der Bund von Klinschor mit Iblis gestiftet hat. Und wir haben da in einer wunderbaren Weise dramatisch ausgedrückt ein Zusammenspielen desjenigen, was das selbständigste, das innerste der Seelenglieder — die Verstandes- oder Gemütsseele — auszuhalten hat gegenüber den Angriffen von außen. Die Verstandes- oder Gemütsseele war im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum noch nicht so innerlich, wie sie werden mußte im fünften. Sie zog sich von jenem Leben mehr mit der Außenwelt, wie es im Griechen- und Römertum vorhanden war, zurück in das Innere des Menschen, wurde selbständiger, auch freier. Dafür aber war sie von all den Mächten, aus den Gründen, die angeführt worden sind, viel angreifbarer als in der griechisch-lateinischen Zeit. Die ganze Veränderung, die mit der Verstandes- oder Gemütsseele vorgegangen war, drückt sich aus in dem, was stammelnd, sagenhaft und doch so dramatisch vor uns steht in dem Gegensatz von «Montsalvatsch» und «Chastelmarveille». Alle Leiden und alle Überwindungen der Verstandes- oder Gemütsseele fühlen wir nachklingen in den Erzählungen, die mit dem Heiligen Gral zusammenhängen. Alles, was anders werden mußte mit der Menschenseele in der neueren Zeit, zeigt sich dem, der mit dem Mysterienwesen bekannt wurde. Da brauchen wir nur auf einen konkreten Fall hinzuweisen.
Cite:
GA 144/1913-02-07/p022 · edition original