Vierter Vortrag
Selbst solche Dinge, wie sie heute gesagt worden sind, können, wenn man alles in Erwägung zieht, was die heutige Bildung, das heutige Wissen den Menschen geben kann, wenn sie gehört worden sind — gefunden werden können sie ja nur von dem, der die heutigen Mysterien schauend kennenlernt —, durch und durch begriffen werden, richtig durch und durch begriffen werden. Und sie sollen durch und durch begriffen werden! So mag denn vielleicht bei manchem modernen Menschen, der da hinaufstrebt in die höheren Welten, an seiner äußeren Gestalt noch etwas sichtbar sein von dem «Menschlich-Allzumenschlichen» oder von demjenigen, wodurch er sich heraushebt aus dem Menschlichen, Allzumenschlichen. Ja, es mögen die «Narrenkleider» durch die Rüstung des Spirituellen hindurch noch sichtbar sein wie bei Parzival. Aber darauf kommt es nicht an. Sondern darauf kommt es an, daß in der Seele vorhanden ist der Drang nach spirituellem Wissen, nach spirituellem Verständnis — jener Drang, der unauslöschlich in Parzival ist und der ihn endlich doch hinbringt zur Burg des Heiligen Gral. Man kann in dem, was über Parzival dargestellt ist, wenn man es richtig versteht, alle die verschiedenen Trainierungen der Bewußtseinsseele finden, die notwendig sind, damit von der Bewußtseinsseele in der richtigen Weise gewirkt wird, so daß der Mensch Besitz ergreifen kann von den Kräften, die durcheinanderwirbeln und miteinander kämpfen in der Verstandes- oder Gemütsseele. Je mehr der heutige Mensch in sich selber eingeht und Selbsterkenntnis üben will, ehrlich Selbsterkenntnis üben will, desto mehr wird er finden, wie in seiner Seele wühlt der Kampf, der ein Kampf innerhalb der Verstandes- oder Gemütsseele ist. Denn «Selbsterkenntnis» ist in dieser Beziehung heute etwas Schwierigeres, als viele Menschen glauben, und wird im Grunde genommen noch immer schwieriger und schwieriger werden. Da versucht der eine zur Selbsterkenntnis zu kommen, und wenn er auch imstande ist, äußerlich sich in vieler Beziehung Zügel anzulegen und ein Charakter zu sein, so merkt er gar häufig, wenn der Zeitpunkt herankommt, wie in seinem tiefsten Innern die verborgensten Leidenschaften und die verborgensten Kräfte wühlen, wie sie zerreißen gerade das, was die Region der Verstandes- oder Gemütsseele ist.
Cite:
GA 144/1913-02-07/p032 · edition original