Erster Vortrag

GA 145/1913-03-20/p006 ·1913-03-20 · original (original)
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Soll man zunächst mit einem zusammenfassenden Worte die Veränderungen bezeichnen, die der physische Menschenleib erfährt durch die angedeuteten Bedingungen, so muß man sagen: Dieser physische Menschenleib wird in sich zunächst beweglicher und innerlich lebendiger. Beweglicher, was heißt das? Nun, im normalen Menschenleben haben wir den physischen Menschenleib so vor uns, daß seine einzelnen Organe miteinander in Kommunikation stehen, daß seine einzelnen Organe in gewisser Weise miteinander verbunden sind. Die Wirkungen der einzelnen Organe gehen ineinander über. Dadurch, daß der Mensch Esoterik oder Anthroposophie ernsthaft auf sich wirken läßt, werden die einzelnen Organe selbständiger, unabhängiger voneinander. Alle einzelnen Organe werden voneinander unabhängiger. In einer gewissen Weise wird das Gesamtleben des physischen Leibes herabgedämpft und das Eigenleben der Organe verstärkt. Wenn auch der Grad der Herabdämpfung des Gesamtlebens und der Verstärkung des Eigenlebens der Organe ein ungeheuer geringer ist, so muß man doch sagen: Durch den Einfluß von Esoterik und Anthroposophie überhaupt wird das Herz, das Gehirn, das Rückenmark, werden alle Organe selbständiger und lebendiger und unabhängiger voneinander, innerlich beweglicher. Wenn ich gelehrt sprechen wollte, müßte ich sagen: Es gehen die Organe aus einem stabilen Gleichgewichtszustand in einen mehr labilen Gleichgewichtszustand über. Diese Tatsache ist aus dem Grunde gut zu wissen, weil der Mensch sehr leicht geneigt ist, wenn er etwas wahrnimmt von diesem anderen Gleichgewichtszustand seiner Organe, es dem Umstand zuzuschreiben, daß er unpäßlich oder krank geworden ist. Er ist nicht gewohnt, so zu empfinden die Beweglichkeit, die Unabhängigkeit der Organe. Man verspürt, empfindet Organe nur dann, wenn sie anders funktionieren, als der normale Zustand ist. Nun empfindet man, wenn auch zunächst in einer sehr gelinden Weise, das Unabhängigwerden der Organe voneinander; man kann das für ein Unpäßlichwerden, für ein Erkranken halten. Sie sehen also, wie man, gerade wenn es auf den physischen Menschenleib ankommt, vorsichtig sein muß: Selbstverständlich kann dieselbe Sache einmal eine Erkrankung sein, ein anderes Mal eine bloße Begleiterscheinung des inneren anthroposophischen Lebens. Daher hat man in jedem Fall notwendig, individuell zu unterscheiden; aber gesagt muß werden, daß dasjenige, was hier erreicht wird durch das anthroposophische Leben, durchaus etwas ist, was ganz im normalen Entwicklungslauf der Menschheit ohnedies liegt. In älteren Zeiten der Menschheitsentwicklung waren die einzelnen Organe noch mehr voneinander abhängig, als sie es jetzt im äußeren Leben sind, und in der Zukunft werden sie immer unabhängiger werden. So wie derjenige, der sich zur Anthroposophie bekennt, immer auf den verschiedensten Gebieten des Lebens und Erkennens gewissermaßen vorausnehmen muß spätere, erst in der Zukunft an die gesamte Menschheit herantretende Entwicklungsstufen, so muß er auch diese Entwicklungsstufe sozusagen sich gefallen lassen, daß seine Organe voneinander unabhängiger werden. Das kann sich in einer leisen, gelinden Art ausdrücken in den einzelnen Organen und Organsystemen.

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Cite: GA 145/1913-03-20/p006 · edition original