Erster Vortrag

GA 145/1913-03-20/p007 ·1913-03-20 · original (original)
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Ich will ein besonderes Beispiel anführen. Sie kennen alle die Erscheinung, daß der Mensch, namentlich wenn er bodenständig ist, wenn er also nicht durch seinen Beruf etwa viel reist, in einer gewissen Weise zusammengewachsen ist mit seinem Boden. Gehen Sie aufs Land zu den Landleuten, da werden Sie erfahren, daß noch in einem viel höheren Maße als bei der heutigen Stadtbevölkerung, die ja vielfach Landaufenthalte aufsucht, die Leute mit ihrem Boden, mit ihrem Klima zusammengewachsen sind und daß sie es schwer haben, wenn sie durch dieses oder jenes in eine andere Gegend oder in ein anderes Klima versetzt werden, sich zu akklimatisieren, wie man das nennt; daß bis in die Seele herein in Form von einem oftmals unüberwindlichen Heimweh die Sehnsucht nach dem Boden, mit dem sie zusammengewachsen sind, in der Seele lebt. Das soll uns nur darauf hinweisen, wie der Mensch notwendig hat - was wir auch sonst bemerken können, wenn er in eine andere Gegend kommt -, seinen ganzen Organismus anzupassen an diese Gegend, an dieses Klima. In unserem normalen Leben findet nun tatsächlich die Anpassung statt innerhalb des gesamten menschlichen Organismus. Alles wird in gewisser Weise affiziert, in Mitleidenschaft gezogen, wenn wir aus der Ebene ins Gebirge uns versetzen, wenn wir in eine etwas entfernte Gegend uns versetzen. Bei dem Esoteriker oder bei dem mit Ernst die Anthroposophie Treibenden tritt das merkbar ein, daß nun nicht mehr der ganze Organismus in Mitleidenschaft gezogen wird, sondern daß sich das Blutsystem absondert und daß die Blutzirkulation sich gleichsam heraussondert von dem übrigen Organismus und die Blutzirkulation den größeren Einfluß erfährt, wenn der Mensch von einer Gegend in die andere übergeht. Und wer sich für diese Sache eine gewisse Sensitivität aneignet, der kann bemerken, daß in der Tat an der Pulsation seines Blutes, an der Art, wie sein Puls schlägt, bemerkbar ist, wenn er einfach durch eine Reise von einem Ort in einen anderen sich versetzt. Während bei dem Menschen, der nicht durch Esoterik oder anthroposophisches Leben sozusagen imprägniert ist, das Nervensystem noch stark in Anspruch genommen wird durch die notwendige Akklimatisierung, wird bei dem, der sich mit Esoterik oder ernstem anthroposophischem Leben durchdringt, das Nervensystem sehr wenig in Anspruch genommen werden; es tritt zurück, es sondert sich der innige Verband zwischen dem Nerven- und Blutsystem durch das anthroposophische Innenleben voneinander, und es wird das Blutsystem in einer gewissen Weise sensitiver für die Einflüsse von Klima und Boden, dafür das Nervensystem unabhängiger.

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Cite: GA 145/1913-03-20/p007 · edition original