Erster Vortrag

GA 145/1913-03-20/p018 ·1913-03-20 · original (original)
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So werden die einzelnen Organe in sich lebendiger und selbständiger, und sogar einzelne Organteile werden lebendiger und selbständiger. Sie können daraus ersehen, daß sozusagen etwas Neues eintreten muß bei dem Menschen, der solches durchmacht. Früher war es eine gütige Natur, die ohne sein Zutun seine Organe in die richtige Verbindung gebracht hat; jetzt werden diese Organe selbständiger, kommen in ein unabhängiges Verhältnis zueinander. Jetzt muß er mehr von innen heraus die Kraft haben, die Organe wirklich wiederum zu einer Harmonie aufzurufen. Dieses Aufrufen der Organe und Organteile zu einer Harmonie erreicht man dadurch, daß bei jedem ordentlichen Betreiben des Anthroposophischen alles das immerfort betont wird, was die Herrschaft des Menschen über seine selbständiger gewordenen Organe erhöht. Warum spielt eigentlich innerhalb unserer Literatur etwas eine so große Rolle, wovon manche Menschen einfach sagen: Ach, das ist aber doch furchtbar schwierig! - Ich mußte schon oft eine sehr eigentümliche Antwort geben, wenn gesagt wurde: Für Anfänger ist das Buch «Theosophie» doch eigentlich zu schwierig. - Ich mußte sagen: Es durfte nicht leichter sein. Hätte man es leichter gemacht, so hätten die Leute zwar gewisse anthroposophische Wahrheiten in ihr Inneres aufgenommen, die wirken, auch zur Verselbständigung der einzelnen Gehirnpartien; aber es ist dieses Buch in einer ordentlichen Gedankenstruktur konstruiert, damit auch die andere Partie des Gehirns fortwährend genötigt ist, wirklich sich zu üben, nicht sozusagen zurückzubleiben. Das ist das Eigentümliche, das bei einer solchen Bewegung, die auf einer okkulten Grundlage beruht, notwendig macht, nicht nur zu achten auf das, was im abstrakten Sinn das Richtige ist, und das einfach zu verkündigen in jeder beliebigen Weise; sondern es ist notwendig, es in einer gesunden Weise zu verkündigen und in ehrlichster Weise darauf zu achten, daß nicht um der Popularität willen die Sache so verkündet wird, daß sie in ihrer Verkündigung zugleich zum Schaden gereichen könne. In der Anthroposophie kommt es nicht bloß darauf an, daß die entsprechenden Wahrheiten in Büchern und in Reden mitgeteilt werden, sondern es kommt darauf an, wie sie geschrieben und wie sie mitgeteilt werden. Und um so besser ist es, wenn diejenigen, die sich zum Träger einer solchen Bewegung machen wollen, sich nicht um der Popularität willen abhalten lassen, dies oder jenes durchzuführen. Mehr als auf jedem anderen Gebiete handelt es sich auf diesem um das Bekenntnis zur reinen und ehrlichen Wahrheit. Und gerade wenn man auf solche Fragen eingeht wie die Veränderung der menschlichen Hülle durch anthroposophisches Leben, da bemerkt man erst, wie notwendig es ist, Anthroposophie in richtiger Weise vor die Welt zu bringen.

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Cite: GA 145/1913-03-20/p018 · edition original