Fünfter Vortrag
Dieser Unterschied wird immer deutlicher wahrnehmbar, so daß man sich wirklich zuletzt sagen kann: die Erde lebt mit ihrem Äther ein selbständiges Leben, und man schwimmt, indem man mit der Zeit mitlebt, förmlich darinnen in diesem sich wandelnden Leben des Äthers. Wenn der Hochsommer da ist, so fühlt man am allerdeutlichsten, wie man mit seinem Ätherleib gewissermaßen auf sich selber angewiesen ist, wie man mit der Erde ein eigenartiges Leben mitmacht so, daß die Erde einen dann wenig innerlich berührt; man ist, wie gesagt, gleichsam auf sich selbst angewiesen, und man verbindet dann allmählich einen Begriff mit dem, was der Okkultist sagt: Während des Sommers ist die eigentliche Schlafenszeit der Erde. Wir kommen da zu einer Tatsache, die wegen der äußeren Maja, von der der Mensch ja fortwährend umgeben ist, ganz falsch beurteilt wird. Im äußeren, von der Maja dirigierten Leben vergleicht der Mensch gerne den Frühling mit dem Morgen, den Sommer mit dem Mittag, den Herbst mit dem Abend. Er tut Unrecht mit diesem Vergleich, denn in der Realität verhält sich die Sache nicht so. In der Realität müssen wir, wenn wir den äußeren Erdenverlauf mit etwas in uns vergleichen, Frühling, Sommer, Herbst - in dieser Aufeinanderfolge - mit der Schlafenszeit der Erde vergleichen; und Herbst, Winter, Frühling - in dieser Aufeinanderfolge - mit der Wachenszeit der Erde. Und wenn wir von einem Geist der Erde sprechen, so müssen wir uns vorstellen, daß für diejenige Halbkugel, wo Sommer ist, der Geist der Erde während dieses Sommers sozusagen in demselben Zustand ist, in welchem wir als Menschen während unseres Schlafzustandes sind. Es ist natürlich bei der Erde anders. Der Mensch wechselt absolut mit Wachen und Schlafen ab, bei der Erde ist das so, daß Wachen und Schlafen gleichsam von der einen zur anderen Halbkugel ziehen; daß im Grunde genommen der Geist der Erde nie recht schläft, sondern daß, wenn er seine Wachtätigkeit für die eine Halbkugel vom Schlafe abgelöst sein läßt, er dann seine Wachtätigkeit auf die andere Halbkugel verlegt. Aber darauf brauchen wir ja weniger Rücksicht zu nehmen.
Cite:
GA 145/1913-03-23_02/p005 · edition original