Fünfter Vortrag

GA 145/1913-03-23_02/p029 ·1913-03-23 · original (original)
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Man kann überzeugt sein, daß man allmählich immer mehr wird verstehen lernen - je mehr man überwunden haben wird die ganze materialistische Gesinnungsweise unserer Zeit -, Rechnung zu tragen überhaupt der Anpassung des menschlichen Ätherleibes an den Zeitenverlauf. Es wird eine Zeit kommen, wo man es eben sonderbar finden wird, wenn man in den Schulstunden am Morgen einen Schulgegenstand vornimmt, der an die Phantasie besondere Ansprüche macht. Man wird das in der Zukunft einmal ebenso sonderbar finden, wie man es heute sonderbar finden wird, wenn sich jemand im August einen Pelz anzöge und mitten im Winter ein dünnes Gewand. Gewiß, wir sind heute von diesen Dingen noch etwas weit entfernt; aber sie werden schon heranrücken, früher als die Menschen eigentlich glauben. Es wird sich eine Zeit ergeben, in welcher im allgemeinen - es wird wiederum ein Unterschied zwischen Sommers- und Winterszeit sein -, aber es wird sich eine Zeit ergeben, in welcher die Menschen einsehen werden, daß es ein Unding ist, die Schulstunden anders einzurichten, als daß man einige Stunden am Morgen einrichtet, dann den Mittag wird frei lassen in einer weiten Spanne Zeit und dann auf den Abend wiederum einige Stunden legen wird. Vielleicht findet man das nach der heutigen Zeiteinteilung unpraktisch; man wird es einmal praktisch finden in bezug auf die Anforderungen der Menschennatur. Und man wird die Mathematikstunden auf den Morgen legen, das Lesen von Dichtern in die Abendstunden. Heute sind wir gerade in einer Zeit, in der das Verständnis dieser Dinge durch die materialistische Gesinnung, die heute eine Hochflut bildet, ganz verschüttet ist; so daß es heute vorkommen wird, daß das, was als das Vernünftigste erscheinen muß, wenn man die gesamte Natur des Menschen ins Auge faßt, als das Närrischste erscheint.

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Cite: GA 145/1913-03-23_02/p029 · edition original