Fünfter Vortrag

GA 145/1913-03-23_02/p032 ·1913-03-23 · original (original)
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Es ist ein Übergang im menschlichen Seelenleben, den man so charakterisieren kann etwa - ich bitte Sie, den Ausdruck nicht mißzuverstehen -, daß man sagt: der Mensch hört auf gescheit zu sein und beginnt weise zu werden. Dieses ist etwas, womit man einen ganz bestimmten Begriff verbindet. Klugheit, die man sich erarbeitet innerlich durch Urteilskraft, Gescheitheit, die ein Erdengut ist, schwindet dahin. Namentlich kommt man in die innere Verfassung, daß man sie nicht besonders hoch schätzt; denn man fühlt allmählich in sich aufleuchten von Göttern einem geschenkte Weisheit! Ich bitte eben den Ausdruck durchaus nicht mißzuverstehen; denn das Erleben, das bringt es schon dahin, daß der Ausdruck gebraucht werden kann ohne alle Unbescheidenheit, daß er ganz demütig und bescheiden gebraucht werden kann. Gegenüber der von Göttern geschenkten Weisheit wird der Mensch schon immer demütiger und demütiger; stolz und hochmütig ist man eigentlich nur auf die selbst erarbeitete Klugheit und die sogenannte Gescheitheit.

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