Fünfter Vortrag
Nach und nach wird das, was ich jetzt eben ausgesprochen habe, zu einem ganz bestimmten Erlebnis. Man fühlt sich nicht mehr im Raum; denn man lernt fühlen den Ätherleib, der ein Zeitwesen ist, man lernt sich fortbewegen in der Zeit, aber man lernt fortwährend sich sozusagen begegnen mit den geistigen Wesenheiten, die einem entgegenkommen wie von der anderen Seite der Welt, die von der Zukunft her einem entgegenkommen und einen beschenken mit der Weisheit. Dann ist das Gefühl, daß man diese Weisheit empfängt, nur zu erreichen, wenn man die esoterische oder okkulte Entwicklung so eingerichtet hat, daß man ein Gefühl in sich entfaltet hat, das in eigentümlicher Weise die Seele stellt gegen alle Zukunftsereignisse: Wenn man Gelassenheit entfaltet hat gegenüber dem, was die Zukunft uns bringt, das heißt, was das fortwährende Erleben uns entgegenbringt. Wenn wir noch stark mit Sympathie und Antipathie entgegengehen unserem Erleben, wenn wir noch nicht gelernt haben, Karma ernst zu nehmen, das heißt dasjenige, was uns trifft, in gelassener Ertragung des Karmas hinzunehmen gelernt haben, dann können wir noch nicht jene eigentümliche Empfindung der uns entgegenströmenden Weisheit haben; denn nur aus einem gelassen empfundenen Erleben differenzieren sich heraus die in unsere Wesenheit lichtvoll einströmenden Ströme der Weisheit. Durch die eben geschilderte Empfindung ist zu charakterisieren ein ganz bestimmter Punkt des esoterischen Erlebens, jener Punkt, auf dem wir ankommen und den wir eigentlich nur erleben können, wenn wir in hingebender Dankbarkeit und in Gelassenheit jedes Erlebnis an uns heranrücken lassen. Dazu befähigt uns die Veränderung unseres ätherischen Leibes, die vor sich geht bei der richtigen esoterischen Entwicklung und die ja neben anderen Entwicklungsforderungen auch diese stellt: daß wir uns Gelassenheit, daß wir uns wirkliches Verständnis für unser Karma aneignen, so daß wir nicht mit Sympathie und Antipathie herbeiziehen das, was kommen soll, oder uns auflehnen gegen das, was uns trifft, sondern im gleichmäßigen Strom des Erlebens unser Karma ertragen lernen. Dieses Ertragenlernen des Karmas gehört zur esoterischen Entwicklung, und das ist es, was es uns möglich macht, unseren ätherischen Leib so zu verwandeln, daß er allmählich immer mehr und mehr empfinden lernt das äußere ihn umgebende Ätherleben.
Cite:
GA 145/1913-03-23_02/p034 · edition original