{"corpus":"steiner","locus":"GA 145/1913-03-29/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das Selbst des Menschen zeigt, je weiter der Mensch in seiner Entwicklung vorwärtsdringt, immer mehr und mehr die Tendenz, sich zu zerspalten, sich zu zerteilen. Es schickt gleichsam seinen Bewußtseinsinhalt aus; dieser Bewußtseinsinhalt macht Botengänge in der Welt. Ja, wenn der Mensch zum Beispiel eine Wesenheit aus der Hierarchie der Angeloi kennenlernen will, dann genügt es nicht, daß er Erkenntniskräfte anwendet von gewöhnlicher Art. Wenn er sie wirklich kennenlernen will, dann muß er sein Bewußtsein verlegen können, das heißt, er muß die Kräfte seines Selbsts heraussondern können und ein Stück von seinem Selbstbewußtsein hinüberverlegen können in die Wesenheit des betreffenden Wesens aus der Hierarchie der Angeloi. Was wir immer für ein Wesen kennenlernen, wir können es nur so kennenlernen, daß wir unser Selbstbewußtsein in dieses Wesen hineinverlegen. Das ist der Drang des Selbstes, aus sich herauszugehen, sich in das andere Wesen hineinzuverlegen und das, was zuerst nur in einem selbst gelebt hat, weiterleben zu lassen in dem anderen Wesen. Dieser Drang zeigt sich auf einer niedrigeren Menschheitsstufe der menschheitlichen Wesenheit, auf der Stufe des gewöhnlichen Menschendaseins, in einem gewissen Drange, sein Bewußtsein aus sich selber heraus zu entfernen; es zeigt sich dieses in dem Bedürfnis nach Schlaf. Und dasjenige, was den Menschen seelisch zum Schlafen treibt, das ist ganz derselbe Impuls, der in höherer Ausbildung das Bewußtsein nicht in die unbewußte Schlafenswelt hinüberleitet, sondern in das Bewußtsein der Angeloi oder des Geistes der Form oder höherer Hierarchien. So könnte man das paradoxe Wort aussprechen: Was heißt es, einen der Elohim, einen der Geister der Form kennenzulernen? Das heißt, sich so weit entwickelt haben, daß man imstande ist, hinüberzuschlafen in das Bewußtsein des Elohim und im Elohim aufzuwachen mit dem Bewußtsein dieses Geistes der Form, dieses Geistes der höheren Hierarchien. Das heißt Erkennen einer höheren Wesenheit: sein Bewußtsein aufgeben, wie man es im Schlaf aufgibt, aber es so aufgeben vermöge der höheren in ihm erwachten Kräfte, daß dieses Bewußtsein aufwacht und einem als das Bewußtsein dieses höheren Wesens entgegenleuchtet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-03-29","location":null,"word_count":328,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/145/1913-03-29/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/145/1913-03-29/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/145/1913-03-29/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}