Elfter Vortrag
Nun will ich Ihnen noch, damit Sie gewissermaßen etwas haben, woran Sie die Gedanken, die sich uns eröffnet haben im Laufe dieses Zyklus, wie auf einer Leiter hinanführen können, ich will Ihnen noch eine Art schematischer Zeichnung geben. Zunächst will ich aufzeichnen links hier das, was wir nennen können die Gliederung des gewöhnlichen Menschen aus physischem Leib, ätherischem Leib, astralischem Leib, Empfindungsseele, Gemüts- oder Verstandesseele, Bewußtseinsseele, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. S6 kennen wir ja die'Gliederung des. Menschen. Ich will also das nur in Strichen darstellen. Das Innere, das sei Empfindungsseele, das nächste Gemüts- oder Verstandesseele, das nächste Bewußtseinsseele, das nächste sei Geistselbst. Die oberen Glieder können ja, weil wir sie heute nicht mehr brauchen, ergänzt gedacht werden. Diese Konstitution des Menschen zeigt sich ja äußerlich so, daß das Leibliche gleichsam in den drei niederen Gliedern, das, was seelisch erlebt wird, in den drei mittleren Gliedern, und das Geistselbst gar nicht mehr sozusagen, sondern wie eine Perspektive in die Zukunft am Menschen vorhanden ist. Wenn nun der Mensch eine okkulte Entwicklung durchmacht, so handelt es sich zunächst darum, daß gewisse Dinge in der Seele selber unterdrückt werden. Wir haben geschen, wie es insbesondere darauf ankommt, daß der Mensch es dazu bringt, die äußeren Sinneseindrücke auszuschalten. Das ist ja das erste Erfordernis eines wirklichen okkulten Vorwärtskommens, daß man die äußeren Sinneseindrücke ausschaltet. Dadurch, daß der Mensch die äußeren Sinneseindrücke ausschaltet, verändert sich innerlich das Glied seiner Seele, welches vorzugsweise unter der Einwirkung der äußeren Sinneseindrücke sich ausbildet. Das ist die Bewußtseinsseele. Verstehen Sie recht: die Bewußtseinsseele ist gegenwärtig in ihrer Hauptausbildung, weil da hauptsächlich auf die äußeren Sinneseindrücke gezählt wird. Daß die Bewußtseinsseele innerlich am meisten erstarkt unter dem Eindrucke der Sinneseindrücke, müssen Sie nicht mit der Tatsache verwechseln, daß diese Sinneseindrücke durch die Empfindungsseele vermittelt werden. Wenn es sich um die okkulte Entwicklung handelt, so hat man darauf zu sehen, unter was für Einflüssen die Bewußtseinsseele am meisten erstarkt: das ist unter den Einflüssen der äußeren Sinneseindrücke; wenn diese ausgeschaltet werden, dann wird die Bewußtseinsseele gedämpft. So daß also - rechts will ich hinzeichnen das, was sich im okkult entwickelten Menschen mit den einzelnen Seelengliedern entspricht - die Bewußtseinsseele im okkult sich entwickelnden Menschen vor allen Dingen wird zurücktreten müssen. Das also ist gemeint, was im gewöhnlichen Leben den Menschen dazu führt, sein Ich zu betonen, was ihn dazu führt, vor allen Dingen auf allen möglichen Gebieten dieses Ich zu betonen. In unserer Zeit wird ja dieses Ich schon auf dem Gebiet des Denkens betont. Nichts kann man öfter hören als: Dies ist mein Standpunkt, ich denke dies oder jenes.- Als ob es darauf ankäme, was dieser oder jener Mensch denkt, als ob es nicht vielmehr darauf ankäme, was die Wahrheit ist! Wahr ist, daß die Summe der drei Winkel eines Dreiecks zusammen hundertachtzig Grad ausmachen, und gleichgültig ist, was der Mensch für einen Standpunkt dazu einnimmt. Wahr ist es, daß die Hierarchien zerfallen in drei mal drei nach oben vom Menschen aus gerechnet, und gleichgültig ist, was der Mensch für einen Standpunkt dazu einnimmt. Das also, was Betonung des Ich ist, tritt zurück; dafür erfüllt sich die Bewußtseinsseele, die früher vorzugsweise zur Kultur des Ich gedient hat, allmählich mit dem, was wir die Imagination nennen. Wir können geradezu sagen: Beim okkult sich entwickelnden Menschen verwandelt sich die Bewußtseinsseele in die Imaginationsseele.
Cite:
GA 145/1913-03-29/p015 · edition original