Elfter Vortrag
Mehr noch als eine Schilderung Ihnen zu geben, war ich bestrebt, ein Gefühl in Ihren Herzen hervorzurufen von dem, was okkulte Entwicklung ist und wie mannigfaltig und den Menschen verändernd okkulte Entwicklung in das Menschenwesen eingreift. Ahnen und empfinden haben Sie es können, daß der Mensch vor mancherlei Erschütterndem, auch Gefahrbringendem steht, wenn er eine okkulte Entwicklung durchmacht. Aber neben manches, was vielleicht schon in der theoretischen Betrachtungsweise ein leises Grauen eingeflößt hat, mußte doch immer sich der Gedanke vor die Seele hinzaubern, der alles Grauen hinwegschafft, alle Furcht vor Gefahr beseitigen kann, der einfach Enthusiasmus, Willensstärke in unserer Seele aufruft: der Gedanke, daß wir an der von den Göttern gewollten Evolution selbsttätig ein Stück arbeiten, indem wir uns weiterbringen. Wer diesen Gedanken zu fassen weiß in seiner ganzen Größe, in seiner ganzen enthusiasmierenden und anfeuernden Bedeutung, wer diesen Gedanken zu fassen weiß so, daß er Evolution, okkulte Entwicklung im schönsten Sinn als seine Pflicht erscheinen läßt, wer dies vermag zu fühlen, der fühlt den Beginn dessen, was neben aller Gefahr, neben allem Kampfe, neben allen Verwirrungen, neben allen Hindernissen verknüpft ist mit aller Entwicklung des Entgegengehens den Seligkeiten der geistigen Welten. Denn indem man diesen Gedanken von der enthusiasmierenden Kraft des Ideals der Entwicklung empfindet, kann man schon die Seligkeit der Entwicklung beginnen fühlen; aber diese Seligkeit bedeutet: dieses Entwickeln, diesen okkulten Fortschritt als eine Notwendigkeit anzuerkennen. Das wird die Zukunft solcher spirituell-esoterischer Bewegungen, wie die unsrige eine ist, sein, daß spirituelle Entwicklung der Menschenseelen immer mehr und mehr als eine Notwendigkeit wird angesehen werden und daß das Ausschließen, das Sichfeindlichstellen zur spirituellen Entwicklung bedeuten wird ein Sichverbinden mit den in der eigenen Erdenschwere zugrunde gehenden Abfallsprodukten des Irdischen, mit dem Herausfallen aus der gottgewollten Evolution des Weltenalls.
Cite:
GA 145/1913-03-29/p026 · edition original