{"corpus":"steiner","locus":"GA 146/1913-05-29/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man dieses Erlebnis in seiner Ideenwelt hat, wenn sich aller Zweifel am Sein schmerzlich und bitter abgeladen hat auf die Seele, dann erst ist man im Grunde reif dazu, zu verstehen, wie es doch nicht die unendlichen Räume und die unendlichen Zeiten der physischen Welt sind, die einem die Ideen gegeben haben. Jetzt erst, nach dem bitteren Zweifel, öffnet man sich den Regionen des Spirituellen und weiß, daß der Zweifel berechtigt war, und wie er berechtigt war. Denn er mußte berechtigt sein, weil man geglaubt hat, daß die Ideen aus den Zeiten und Räumen in die Seele gekommen seien. Aber was empfindet man jetzt? Als was empfindet man die Ideenwelt, nachdem man sie erlebt hat aus den spirituellen Welten heraus? Jetzt fühlt man sich zum ersten Male inspiriert, jetzt beginnt man, während man früher wie einen Abgrund die unendliche Öde um sich ausgedehnt empfunden hat, jetzt beginnt man sich zu fühlen wie auf einem Felsen stehend, der aus dem Abgrunde emporwächst, und man fühlt sich so, daß man weiß: Jetzt bist du in Verbindung mit den geistigen Welten, diese und nicht die Sinnenwelt haben dich mit der Ideenwelt beschenkt. — Das ist eine nächste Etappe für die sich entwikkelnde Seele. Das ist diejenige Etappe, wo es beim Menschen beginnt mit dem, was heute schon eine triviale Wahrheit geworden ist, recht ernst zu werden. Daß man dieses Fühlen im Herzen trägt, das ist die Vorbereitung dazu, daß man überhaupt im richtigen Sinne empfindet, was jetzt, nach der gewaltigen, großen Erschütterung der Seele des Arjuna, von Krishna dem Arjuna als erste Wahrheit gegeben wird: die Wahrheit von dem ewigen Geiste, der in den Verwandlungen lebt. In Begriffen und Ideen wird zum abstrakten Verstande gesprochen, Krishna spricht zum Herzen des Arjuna, und was ganz trivial für den Verstand sein mag, ist etwas unendlich Tiefes, Erhabenes für das Herz.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-05-29","location":null,"word_count":306,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/146/1913-05-29/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/146/1913-05-29/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/146/1913-05-29/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}