Siebenter Vortrag
Der materialistische Darwinismus macht es sich nun leicht. Er vergißt die ebenso natürliche wie einfache Erkenntnis, daß die eigentliche Erkenntniskraft, durch die der Mensch über die Tierheit herausragt, für das gewöhnliche Erkennen eben unerkennbar sein muß. Er konstatiert zwar, daß sie unerkennbar ist, und leugnet sie deshalb und betrachtet deshalb den Menschen nur insoweit, als der Mensch gerade auch noch der Tierheit angehört. Sie sehen, worauf der eigentliche Trugschluß, die Täuschung des materialistischen Darwinismus beruht. Diejenigen Kräfte, welche die eigentlichen Erkenntniskräfte sind im Menschen, kann der Mensch an sich selber nicht erkennen. Das ist so natürlich, wie an sich selber sich das Auge nicht sehen kann. Aber das Auge kann ein anderes Auge sehen, und weil das Auge ein anderes Auge sehen kann, so kann es unter Umständen an sich glauben. Nun, mit dem Erkennen ist das nicht so der Fall. Das Erkennen kann sich selber nicht erkennen, aber es wäre immer wenigstens noch logisch möglich, daß der Mensch einem anderen Menschen gegenübertritt und das Erkennen, das heißt dasjenige, was den Menschen über die Tierheit herausführt, am anderen Menschen erkennen würde. Aber auch das ist unmöglich, und zwar aus den Gründen, die schon aus unseren bisherigen Betrachtungen hervorgehen.
Cite:
GA 146/1913-06-03/p004 · edition original