{"corpus":"steiner","locus":"GA 146/1913-06-03/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich wollte Sie hinweisen auf Kräfte, die in der menschlichen Natur walten, die also zunächst uns entgegentreten, wenn wir den schlafenden Menschen ins Auge fassen, die uns entgegentreten bei der Regeneration des Organismus im Schlafe. Aber diese Kräfte sind mit anderen Kräften verwandt, mit denselben Kräften durchaus verwandt, welche im Menschen sich auch mit einer gewissen, man möchte sagen, Unbewußtheit entwickeln. Es entwickeln sich im Menschen gewisse Kräfte mit einer gewissen Unbewußtheit: das sind die Kräfte, welche zusammenhängen mit der menschlichen Fortpflanzung, mit der menschlichen Generation. Wir wissen ja, daß im menschlichen Bewußtsein bis zu einem gewissen Lebensalter über diese Kräfte eine unmittelbare holde Unbewußtheit waltet, die Unschuld des Kindesalters. Wir wissen, daß mit einem gewissen Alter über diesen Kräften das Bewußtsein erwacht, daß gleichsam von einem bestimmten Alter an der menschliche Organismus durchsetzt wird vom Bewußtsein aus mit den Kräften, die später die sinnliche Liebe der Geschlechter genannt werden. Was vorher waltet wie schlafende Kräfte, die erst mit der Geschlechtsreife erwachen, das sind, wenn sie in ihrer ureigenen Gestalt betrachtet werden, genau dieselben Kräfte, die im Schlaf die zerstörten Kräfte im Menschen wieder herstellen. Verdeckt sind diese Kräfte nur von der anderen menschlichen Natur, weil sie vermischt sind mit der anderen menschlichen Natur. Es walten unsichtbar im Menschen Kräfte, welche schuldvoll erst werden, wenn sie zum Erwachen kommen, welche schlafen oder höchstens träumen bis die Geschlechtsreife eintritt. Da in der menschlichen Natur die späteren Kräfte sich erst vorbereiten, so sind diese späteren Kräfte, die noch nicht wach sind, schon von der Geburt an vermischt mit den übrigen Kräften der menschlichen Natur, und diese menschliche Natur wird wie durchsetzt von diesen schlafenden Kräften. Das ist es, was als so wunderbares Mysterium uns im Kinde entgegentritt: die schlafenden Kräfte der Generation, die erst später erwachen. Daher ist es auch, daß derjenige, der für so etwas eine Empfindung hat, etwas wie das Wehen des Götterodems empfindet, wenn er unter den mannigfachen Ungezogenheiten, Eigensinnigkeiten und anderen mehr oder weniger unangenehmen Eigenschaften des Kindesalters dieselben Kräfte wirksam findet, die nur wie zurückgezogen sind im Kindesalter, dieselben Kräfte, die bei der Geschlechtsreife erwachen. Es sind diese Eigenschaften des Kindes schuldlos die Eigenschaften des Erwachsenen. So verspürt derjenige, der unter diesen Eigenschaften die in das Kindesalter wie zurückgezogenen Generationskräfte erkennt, den Odem der Götter, der göttlichen Kräfte, die so wunderbar sich ausnehmen, weil sie, indem sie später des Menschen niedere Natur darstellen, solange sie in Unschuld walten, einen göttlichen Hauch wirklich darbieten. Diese Dinge muß man empfinden, fühlen. Dann wird man das menschliche Wesen so wunderbar zusammengefaßt erkennen aus den Kräften, die im zartesten Kindesalter wie schlafend walten und später, wenn sie erwachen, wirksam nur sind, wenn sie in Unschuld walten, wenn der Mensch in der Nacht in die Unschuld des Schlafens zurücksinkt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-06-03","location":null,"word_count":457,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/146/1913-06-03/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/146/1913-06-03/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/146/1913-06-03/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}