Zweiter Vortrag

GA 147/1913-08-25/p017 ·1913-08-25 · original (original)
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In der geistigen Welt wird derjenige, der richtig schauen kann, nimmermehr Wirklichkeit mit Phantasterei verwechseln. Da ist es wirklich so, daß sich die Schopenhauersche Philosophie, insoferne sie einen Fehler macht, von selbst widerlegt. Sie widerlegt sich ja auch in der Sinneswelt in bezug auf ihren Hauptfehler, daß alle unsere Umgebung unsere Vorstellung sei. Wenn man diesen Satz preßt, dann wird er widerlegt, weil man schon durch das Leben angeleitet wird, zu unterscheiden zwischen einem heißen Eisen von neunhundert Grad, das eine wirkliche Wahrnehmung ist, und dem vorgestellten Eisen von neunhundert Grad, das nicht weh tut. Wenn man in der wirklichen Welt mit den entsprechenden Fähigkeiten lebt, so liefert das Leben schon den Unterschied für die Realität und für die Phantasterei. Auch der Kantsche Satz, mit dem Kant an die sogenannten Gottesbeweise herangegangen ist, daß hundert gedachte Taler ebensoviel wert sind wie hundert wirkliche, wird vom Leben widerlegt. Gewiß, hundert gedachte Taler enthalten ebensoviel Pfennige als hundert wirkliche, aber zwischen beiden gibt es doch einen Unterschied, der gegenüber dem Leben sehr stark hervortritt. Und ich möchte jedem, der diesen Satz für richtig hält, raten, seine hundert Taler, die er schuldig ist, mit eingebildeten Talern zu bezahlen, dann wird er schon den Unterschied merken. So wie das für die physisch-sinnliche Welt ist, wenn man wirklich darinnen steht und ihre Gesetze beachtet, so ist es auch für die übersinnlichen Welten. Wenn man nur nascht, dann ist man vor dem Verwechseln von Wahn und Wirklichkeit nicht gefeit, dann verdichten sich die Bilder, und man nimmt das, was bloß Bild sein soll, für Realität. Und was man so an Näscherei aus der geistigen Welt in sich trägt, das ist ganz besonders eine Beute, über die sich Ahriman hermachen kann. Aus dem, was er dem gewöhnlichen Menschendenken entnimmt, bekommt er nur luftige Schatten, aber er bekommt, trivial gesprochen, recht fette Schatten und Schemen, wenn er aus den menschlichen Leibesindividualitäten herauspreßt, so gut er es kann, die falschen Wahnesbilder, die durch das Naschen in der geistigen Welt entstanden sind. Und damit wird auf ahrimanische Weise die physisch-sinnliche Welt mit geistigen Schatten und Schemen, die sehr schlimm der allgemeinen Weltenordnung widerstreben, durchsetzt.

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