Zweiter Vortrag

GA 147/1913-08-25/p019 ·1913-08-25 · original (original)
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Das ist etwas von dem, was darzustellen versucht worden ist in dem neunten Bilde von «Der Seelen Erwachen» in der Gemüts-, in der Seelenverfassung der Maria. Es wäre ganz falsch, wenn jemand an dieser Stelle ein Tumultuarisches, dramatisch-tumultuarisch Regsames verlangen würde, wie man es in einem äußeren physischen Drama hat. Wenn das Gemüt der Maria so wäre, daß es in dem Moment aufregende Leidenschaften, aufregende Triebe und Affekte erleben könnte bei dem Empfang der Erinnerungen aus der devachanischen Welt und der ägyptischen Zeit, dann würde die Seele der Maria dadurch auf den Wogen der Leidenschaften hin- und hergeworfen werden. Eine Seele, welche nicht in innerer Ruhe, in absoluter Gelassenheit, in einem Hinaussein über alles äußere physische Dramatische entgegennehmen kann die Impulse der geistigen Welt, eine solche Seele erleidet in der geistigen Welt ein Schicksal, das ich nur in der folgenden bildhaften Weise bezeichnen kann. Denken Sie sich, ein Wesen wäre aus Kautschuk und es flöge in einem Raum, der von allen Seiten geschlossen wäre, hin und her, flöge nach der einen Wand, würde aber da gleich wiederum zurückgeworfen, flöge nach der anderen Wand, würde wiederum zurückgeworfen, und flöge so hin und her und wäre so in einer tumultuarischen Bewegung auf den Wogen des Leidenschaftslebens. Das tritt tatsächlich ein mit einer Seele, welche die Empfindungsweise, die Gefühls- und Affektweise der sinnlich-physischen Welt hineinträgt in die geistige Welt. Dann tritt aber etwas weiteres ein. Es ist nicht angenehm, so kautschukmäßig hinund hergeworfen zu werden wie in einem Weltgefängnis. Daher spielt die Seele in einem solchen Falle als hellsichtige Seele ganz besonders Vogel-Strauß-Politik,; sie betäubt sich nämlich über dieses Hin- und Hergeworfenwerden, sie trübt sich das Bewußtsein, so daß sie nichts davon merkt. Dann glaubt sie, sie werde nicht hin- und hergeworfen. Da kann Luzifer um so mehr heran, weil das Bewußtsein getrübt ist; der lockt die Seele heraus und führt sie hin nach seinem isolierten Reiche. Da kann die Seele dann ihre geistigen Eindrücke empfangen, aber es sind rein luziferische Eindrücke, weil sie in seinem Inselreiche empfangen werden.

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Cite: GA 147/1913-08-25/p019 · edition original